المملكة المغربية — Marokko — Faszinierende Landschaften mit ornithologischem Hochgenuss
Nur wenige Flugstunden von Zürich entfernt (Edelweiss Air) verbanden uns vier vogelkundlich Interessierte (eine Frau und drei Männer) mit dem afrikanischen Kontinent — Unser Ziel der Süden Marokkos! Der eine von uns (MR) bereiste dieses Land schon zum vierten Mal und schwärmte seither von seiner ornithologischen Vielfalt. Und nun auf einmal waren wir dort, um mit einem Offroader (Nissan 4×4) eine Woche lang vom 21. – 28. April 2012 die Gegend südlich von Agadir bis weit in den Süden in die Gegend um Tan-Tan zu erkunden, die Landschaften zu erfahren, Menschen zu begegnen und nach den Vögeln Ausschau zu halten. Nicht weniger als 800 Km werden wir fahren, und dies zum grössten Teil auf sandigen und steinigen Pisten inmitten faszinierenden Landschaften mit hügeligem Charakter im auslaufenden Fuss des Anti Atlas-Gebirges, in Sandwüsten und Steppen mit Kakteen und Zwergsträuchern, mit kilometerlangen Fahrten in breiten Flusstälern oder entlang der Küste des Atlantiks. Geografischer Ausgangs- und Schlusspunkt unserer Reise war die Gegend um den Nationalpark «Souss-Massa» südlich von Agadir.
Die Fülle der Eindrücke und Erlebnisse dieser Reise können in einem zusammenfassenden Kurzbericht nicht wiedergegeben werden. Stellvertretend für alle darf ich (ST) schreiben, dass es ein Hochgenuss war. Wir waren berührt von den Menschen, wie sie leben und arbeiten, wir waren fasziniert von der landschaftlichen Schönheit, ihren Farben, Formen und welches Leben in ihnen inne lag. Wir waren auch etwas beschämt, auf welchen häuslichen Luxus wir in der “Wüste” nicht zu verzichten brauchten, angesichts der unterschiedlichen Lebensformen zwischen unserem Herkunfts- und dem Reiseland. Wir begegneten überall sehr freundlichen Menschen. Die Marokko-Reise hat bleibende Eindrücke hinterlassen!
Die Stationen unserer Reise:
1. Tag — Airport Agadir – Parc Nationale de Souss Massa – Oued Massa – Tiznit
Übernachtung in Tiznit: Hotel Idou Tiznit
2. Tag — Tiznit – Sidi Ifni – Mirleft – Oued Assaka – Fort Bou-Jerif
Übernachtung im Fort Bou-Jerif
3. Tag — Fort Bou-Jerif – Laqsabi – Sandy Plains – Ksar Tafnidilt
Übernachtung im Ksar Tafnidilt
4. Tag — Drâa Tal – Drâa Mündung
Übernachtung im Ksar Tafnidilt
5. Tag — Drâa Tal – Atlantikküste – Oued Aoreora – Sandy Plains
Übernachtung im Fort Bou-Jerif
6. Tag — Oued Noun – Assakatal und Hochebene – Assakamündung – Oued Noun
Übernachtung im Fort Bou-Jerif
7. Tag — Fort Bou-Jerif – Oued Noun – Assakatal – Oued Massa
Übernachtung im Hotel Ksar Massa
8. Tag — Oued Massa – Airport Agadir
Ein detaillierter Reisebericht mit einer Liste der beobachteten 156 Vogelarten kann nachstehend heruntergeladen werden.
↓↓ Reisebericht Südmarokko 2012 (pdf, 4.55 MB)
Nachstehend ein Reisebericht in über 300 Bildern. Siehe auch Direktlink in Flickr. Die Diashow kann bildfüllend gesehen werden. Bitte rechts unten in der Diashow das entsprechende Vergrösserungszeichen klicken und für die Bildlegende oben rechts auf “Info anzeigen”. — Am Schluss des Artikels sind noch zwei Viodeoclips beigefügt.
Kurzer Video-Ausschnitt von der Fahrt durch das Aoreola-Flusstal am 25.04.2012, wo wir u. a. zwei Brutplätze des Lannerfalken gesehen haben.
Drâa Tal am 25.04.2012
Region Schaffhausen — Auftakt zum Vogelzug
Erfahrungen in den letzten Jahres haben es aufgezeigt: die Region Schaffhausen liegt an einer markanten Vogelzugstrasse, nicht zuletzt dank eines von der Ornithologischen Arbeitsgruppe Schaffhausen (OAS) organisierten Vogelzugprojektes im Jahre 2005 (Konzept und Ergebnisse können als pdf-Datei nachstehend heruntergeladen werden (1,5 Mb): ↓↓ Ergebnisse Vogelzug- Pilotprojekt Herbst 2005). Seither gibt es alljährlich im Frühjahr und Herbst Tage, wo von einem der möglichen guten Beobachtungsstandorte aus der Vogelzug erfasst wird, mit z. T. beachtlichen und spektakulären Resultaten, besonders bei Ringeltauben (max. 45’000 Ind. !), Mäuse- und Wespenbussarden, Korn-, Rohr- und Wiesenweihen, Rot- und Schwarzmilan sowie Weiss- und Schwarzstörchen. Der Kleinvogelzug verläuft auf breiter Front und macht sich deshalb an den einzelnen Orten nur ausnahmsweise stark spürbar, z. B. bei Buchfink (max. mehrere 10’000 Ind.).
Am Samstag, 03.03.2011, begab ich mich spontan am späten Vormittag auf den “Galgenbuck” bei Neuhauen am Rheinfall, einem auf 500m ü. M. gelegenen Punkt, von dem nahezu ein Rundblick von 360° besteht. Er ist leicht auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Bis 11:00 Uhr lag immer noch dichter Bodennebel, der sich dann zögerlich auflöste, v.a. in NW-Richtung. Prompt setzte der sichtbare Vogelzug ein, mit ersten Mäusebussarden, die einzeln oder in kleinen Grüppchen von der Nordflanke des Südrandens kommend, an Beringen vorbei über die Enge und Breite Schaffhausen Richtung NO zogen. Der Himmel zeigte sich zunehmend blau, während über der Stadt Schaffhausen und dem Horizont im SO ein Dunstschleier lag.
Ich stellte mein Fernrohr auf der Westseite des Galgenbucks auf, wo die anfliegenden Vögel frühzeitig erfasst werden können. Der Blick Richtung Norden führt zu den westlichen Gebieten des schaffhauser Randens (900m), über den Südranden im Westen (560m) und über Neuhausen am Rheinfall hinaus Richtung zürcher Weinland und dem in der Zugachse liegenden Lauf des Hochrheins. An diesem Punkt blieb ich bis 16:30 Uhr. Die Sonne schien angenehm warm bis 16°C und der stahlblaue Himmel zeigte teilweise phantastische Wolkenbilder, neben den vielen von Passagierflugzeugen verursachten Kondensstreifen. Ich genoss den Tag und wurde auch durch von den neuhauser Kirchenglocken wunderbar in meiner Seelentiefe berührt. Ab 15:00 Uhr wurde aus Westen zunehmend dichtere Wolken herangeführt. Der Vogelzug spielte sich an diesem Tag ausschliesslich nördlich des Galgenbucks ab, mit folgenden Ergebnissen:
25 Weissstörchen (drei Gruppen zu 13 + 3 + 9 Ind., siehe Foto)
25 Rotmilane
1 Kornweihe (Weibchen)
4 Sperber
171 Mäusebussarde
20 Kiebitzen
405 Ringeltauben
3 Feldlerchen
9 Heidelerchen (davon 8 Ind. kurz auf dem Galgenbuck rastend)
7 Misteldrosseln
11 Saatkrähen
300 Buchfinken
Lokal zeigten sich u.a.: 2 Habichte,revieranzeigende Rotmilane und Mäusebussarde, 1 Wanderfalke, Grün- und Buntspecht, Amsel, Singdrossel, Haubenmeise, Tannenmeise, Dohle, Kolkrabe, Bergfink, Kernbeisser und Goldammer.
Zum Thema siehe auch folgenden früheren Artikel in meinem Blog: 17.03.2010 – Erste ziehende Schwarzstörche über Schaffhausen
Landschaftlich ist die Gegend beim Galgenbuck reizvoll und an diesem Tag auch spannend durch seine Kunstwerke und Kunststücke am Himmel
(Dank an Fabienne Muriset für die Wolkenbestimmung, http://www.facebook.com/fotometeo.ch)
Ein Gelbschnabeltaucher am Bodensee
Zum Abschluss der monatlichen Wasservogelzählung auf der «Seetaucherstrecke» zwischen Münsterlingen und Uttwil gelang mir heute Sonntag, 12.02.2012, kurz nach 14:00 Uhr die Entdeckung eines GELBSCHNABELTAUCHERS (2. KJ) Gavia adamsii. Der sehr seltene Wintergast tauchte zusammen mit einem Prachttaucher Gavia arctica in etwa 250m Entfernung zum Schiffsteg Uttwil TG. Mit dem ersten Blick durchs Fernglas sah ich zunächst einen sehr grossen Seetaucher und mit dem Fernrohr erkannte ich zweifelsfrei diese Art – eine persönliche Erstbeobachtung, der 7. Nachweis für das Bodenseegebiet (nach zuletzt 2002) und für die Schweiz erstmals wieder nach 1996 (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007).
Auffällig waren der gelbliche und aufwärts gerichtete wuchtige Schabel, mit einem auffällig gewinkelten Unterschnabel. Neben dem bräunlich-verwaschenen Körper waren auch der helle Kopf, der dunkel verwaschene Ohrfleck und die helle Halshinterseite auffällig. Der Vogel tauchte jeweils mind. 100m (!) und entzog sich so fast der Beobachtung. Um 14:40 Uhr konnte ich den Vogel weiter nordwestlich vor dem 2km entfernten Kesswil beobachten und um 15:30 Uhr 3km seeabwärts vor Güttingen (zusammen mit Manuel Schweizer).
Möglicherweise handelt es sich um denselben Gelbschnabeltaucher, der sich vom 08. bis 10.02.2012 in Norditalien aufhielt. Der erkennbare Überbiss beim Schnabel ist auch auf einem Foto aus Italien zu sehen, siehe http://www.ornitho.it/index.php?m_id=54&mid=34251 (Dank an Stefan Werner für den Hinweis).
Gelbschnabeltaucher, 18.02.2012, Arbon (Videoclip von Stephan Trösch)
Die bisherigen Nachweise des Gelbschnabeltauchers in der Schweiz und am Bodensee:
2000
21.02. – 12.03.00, 1 Ind. 2.KJ, Gundholzen/Höri (S. Werner, S. Schuster, Ornith. Rundbrief für das Bodenseegebiet, Nr. 156/April 2000, unveröff.)
1996
07.01. – 21.021996, 1 Ind. 2.KJ, Bodman (S. Werner, F. Portala et al., in HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)
07.04.1996, 1 Ind. 2.KJ, Güttingen TG (H. Klopfenstein in MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007)
23. – 26.06.1996, 1 ad. PK, Eriskircher Ried (G. Knötzsch, M. Hemprich, D. Koch, R. Ertel in HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)
1994/1995
12.12.1994 – 28.02.1995, 1 juv., zwischen Landschlacht TG und Rorschach SG (H. Leuzinger in MAUMARY et al., 2007)
1982
24.01. – 09.03.1982, 1 Ind. 2.KJ, Eschenz TG, Öhningen BW und Mannenbach TG (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)
1976
25. – 29.02.1976, 1 Ind., Stockacher Aachmündung (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)
1973
02./06.12.1973, 1 Ind. 1.KJ, Rheinfelden AG (MAUMARY et al., 2007)

Die Schnabelformen der Seetaucher (aus PETERSON et al., Die Vögel Europas, 10. Aufl., 1973)
Überwinternde Grosse Brachvögel am Bodensee im Banne von Frost und Nahrungsdruck
Am 01.02.2012 wurde das bis dahin recht milde Winterwetter abrupt durch nach Mitteleuropa einfliessende Polarluft abgelöst. Mit einem massiven Temperatursturz herrschen seither Temperaturen von -6° bis -16°C im Flachland, begleitet von einer starken, mit bis zu 7 Beaufort wehenden Bise. Die Eisbildung der Seeufer liess nicht lange auf sich warten . Mittlerweile sind schon auch Teile des Bodensees zugefroren, wie z. B. am Untersee, und die Böden sind weiterhin schneebedeckt sowie pickelhart gefroren. Dies sind ausgesprochen schlechte Zeiten für Vögel, insbesondere auch für jene Wintergäste, welche das Winterhalbjahr im sonst klimatisch gemässigten Bodenseeraum verbringen.
Der Grosse Brachvogel z. B. hat in den letzten 50 Jahren parallel zur Klimaerwärmung als Wintergast am Bodensee wie auch an anderen Stellen in der Schweiz deutlich zugenommen. Dies wurde in den Jahren 1999-2003 mit einem bodenseeweiten Projekt mit wöchentlichen Zählungen an den Schlafplätzen des Brachvogels aufgezeigt.
Derzeit verbringen jedes Jahr mehr als 1000 Brachvögel den Winter am Bodensee. Tagesplätze zur Nahrungssuche und Schlafplätze liegen meist in unmittelbarer Nähe, damit möglichst wenig Energie für weite Flugstrecken verbraucht wird. Solche Orte liegen im Vorarlberger Rheindelta (mit bis zu 1200 Ind.), im Gebiet zwischen Arbon und Engach (grösster Schlafplatz der Schweiz mit bis zu 850 Ind.), im Ermatinger Becken/Wollmatinger Ried (mit bis zu 250 Ind.) und bei Moos-Iznang(mit bis zu 160 Ind.). Frost und Schneelagen beeinflussen das Verhalten der Brachvögel erheblich und erschweren die Nahrungssuche ganz massiv. Die Hauptnahrung der Brachvögel besteht aus Regenwürmern, die sich bei Frost in tiefere, selbst mit den langen Bogenschnäblen nicht mehr erreichbare Schichten zurückziehen.
Der durch Frostphasen verursachte Nahrungsdruck führt Brachvogel oft in Siedlungsnähe, wo die etwas wärmere Umgebung besseren Zugang zu Nahrungsquellen verspricht. So hielten sich am 04.02.2012 bei Arbon TG rund 95 Brachvögel mitten in einem Wohnquartier auf einer Wiese auf. Als einzige Nahrung konnten kleine Beutestücke von 1-2 cm Länge beobachtet werden, wie erwartet aber keine Regenwürmer. Dabei könnte es sich um die Larven der Kohlschnake (Tipulidae spec.) handeln, wie sie als Nahrung in verschiedenen Untersuchungen ebenfalls nachgewiesen wurde oder auf dem nebenstehenden Foto vom 04.02.2012 bei Arbon TG möglich erscheint. Die Larven der 2. Generation überwintert im Boden (siehe Kohlschnake).
Neben ausrreichenden Nahrungsquellen sind auchin der Nähe liegende, ruhige und geschützte Plätze wichtig, an denen die Brachvögel gemeinsam die Nacht verbringen können. Die traditionell bekanntesten Schlafplätze liegen im Bereich der Mündung des Alpenrheins in den Bodensee, im Ermatinger Becken und im Flachwasser zwischen Arbon und Egnach. Die Vögel stehen dabei im Flachwasser, nicht selten bis zum Bauchgefieder im Wasser. Das Aufsuchen dieser Schlafplätze steht in Abhängigkeit vom Wasserstand. Bei einem Wasserstand von über 340cm (Pegel Konstanz) sind die meisten Flachfer überschwemmt und als Schlafplatz nicht benutzbar. Dasselbe geschieht auch bei einer Vereisung der Uferzonen, so, wie das im Moment der Fall ist. Aussergewöhnlich ist daher die Annahme der Eisfläche als Schlafplatz, wie das bereits in früheren Wintenr (z. B. 2003) bei Frasnacht-Egnach TG gesehen wurde. Am 04.02.2012 versammelten sich nach 17:15 Uhr 545 Grosse Brachvögel auf dem Eis bei Frasnacht, und dies bei Temperaturen um -8°C und einer sehr starken Bise von 4-6 Beaufort. Dabei kamen innerhalb einer Stunde kleinere und grössere Trupps von Westen und Osten tief angeflogen.
Rückkehr in die 1950er Jahre: Brut eines Wiedehopf im Kanton Schaffhausen !
Vier Jahre nach der sensationellen Brut einer Wiesenweihe im Kanton Schaffhausen kann der nördlichste Kanton der Schweiz erneut über ein ornithologisches Ereignis berichten. Im westlichen Kantonsteil wurde im Juni 2011 ein Wiedehopf entdeckt, der in einer Höhle in einem alten Apfelbaum mindestens einen flüggen Jungvogel fütterte. Gelegentlich wurde diese wärmeliebende Art als Durchzügler nachgewiesen, aber dass sogleich eine Brut erfolgen würde, zudem in einer natürlichen Umgebung, erstaunt umso mehr. Die aktuellen Beobachtungen am Brutplatz weisen darauf hin, dass die Altvögel unweit des ersten Brutplatzes inzwischen eine zweite Brut begonnen haben. In der Schweiz brütet der Wiedehopf seit Jahren fast nur noch im Wallis, wo sich dank künstlicher Nisthilfen eine stabile Population entwickeln konnte.
In die Zeit dieser sensationellen Entdeckung fällt die Veröffentlichung eines Buches, dessen Titel und Inhalt nicht besser dazu passen würde. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat am 01.07.2011 ihr neuestes Werk “Historischer Brutvogelatlas der Schweiz” mit dem Autorenteam um Peter Knaus präsentiert. Darin wird die Brutvogelwelt nach aufwändigen Analysen und Recherchen der 1950er Jahre dargestellt und mit den Beständen der Brutzeitkartierungen aus Mitte der 1970er und 1990er Jahre verglichen. Ein Auszug für den Wiedehopf kann nachstehend heruntergeladen werden. Das Buch veranschaulicht auf eindrückliche Weise nicht nur die Veränderungen der Vogelwelt, sondern auch jene der Landschaften und Siedlungsgebiete.
Verbreitung Wiedehopf 1950 ↓↓(pdf, 1.163 MB)
Das Buch kann im online-Shop der Vogelwarte Sempach bezogen werden (CHF 85.–).
Aktuell starker Durchzug des Bruchwasserläufers (Tringa glareola) im Bodenseegebiet
Seit Wochen ist kaum mehr Regen gefallen, die Pegel der Flüsse und Seen sind am Sinken und in den landwirtschaftlichen Kulturen muss künstlich bewässert werden, was für den April sehr selten ist. Der Wasserstand am Bodensee steht derzeit bei 282cm (Pegel Konstanz), was im ganzen Seegebiet freigesetzte Uferstellen mit Schlick, Schlamm oder Kies bedeutet – ideale Bedingungen für rastende Limikolen. Aus den täglich aktuellen Beobachtungsmeldungen in www.ornitho.ch kann z. B. der Zug verschiedener Watvogelarten verfolgt werden, so auch beim Bruchwasserläufer Tringa glareola. Diese Art zieht regelmässig durch das europäische Binnenland. Am Bodensee verläuft der Heimzug im Frühjahr gegenüber dem Herbstzug wesentlich schwächer. Die neueren Maximalwerte für das Bodenseegebiet lagen bisher bei 52 Ind. am 25.04.1985 an der Radolfzeller Aachmündung, 35 Ind. am 4.5.1987 im Vorarlberger Rheindelta, 32 Ind.am 10.05.1989 im Eriskircher Ried und 38 Ind. 03.05.1990 im Ermatinger Becken. Die Höchstzahlen im Herbst liegen bei 81 Ind. am 02.03.1983 im Wollmatinger Ried und 72 Ind. am 28.08.1990 im Rheindelta (HEINE, JACOBY, LEUZINGER & STARK, 1999, Die Vögel des Bodenseegebietes, S. 436).
Der Heimzug 2011 des Bruchwasserläufers begann am Bodensee anfangs April mit einzelnen Ind. und setzte sich in den Folgetagen unauffällig fort. Am 18.04.2011 gab es mit 27 Ind. an der Radolfzeller Aachmündung den ersten grösseren Trupp (H. Reinhardt), mit einem zunehmenden Verlauf in den folgenden Tagen und dem verstärkten Auftreten an verschiedenen Stellen. Die nebenstehende Karte zeigt die Verteilung der aktuell heimziehenden Bruchwasserläufer anhand der Zufallsdaten in www.ornitho.ch.
Gemäss www.ornitho.ch ergeben sich für das Bodenseegebiet beim Bruchwasserläufer aktuell folgende Zahlen:
19.04.2011 = 47 Ind. im ganzen Bodenseegebiet (drei Orte)
21.04.2011 = 78 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
22.04.2011 = 201 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
23.04.2011 = 285 Ind. im ganzen Bodenseegebiet
24.04.2011 = 305 Ind. im ganzen Bodenseegebiet (max. 105 Ind. im Eriskircher Ried)
Diese grossen Rastgesellschaften sind für das Frühjahr aussergewöhnlich.
Flughafen Zürich — Erstaunliche Vielfalt auf kleinem Raum neben Landepiste 14

Flughafen Zürich mit Landepiste 14 und Zuschauerplatz und dem kleinen Biotop in Bildmitte (S. Trösch, 22.04.11)
Der Flughafen Zürich Kloten [ausführliche Info in Wikipedia] entstand in den Jahren 1946-1948 mitten in einem ehemaligen Sumpf- und Riedgelände, wurde bis heute in mehreren Etappen weiter ausgebaut und gilt als der wichtigste Personen- und Güterumschlagplatz der Schweiz. Verschiedene Rad- und Fusswege führen um das grosse, eingezäunte Flughafengelände, auf der Ostseite auch durch naturnahe Habitate oder kleinere Naturschutzgebietze, welche als Kompensation für den Pistenausbau errichtet wurden. Bei den Landepisten 14 und 16 sind zwei Zuschauerplätze entstanden. Zum ersten Mal Mitte April 2011 ornithologisch in dieser Gegend unterwegs schaute ich zuerst gebannt auf die Landung eines Airbus A380 der Singapore Airlines, um dann am 22.04.2011 auf einer Fläche von 72ha mit Feuchtstellen, Gräben und Büschen entlang der östlichen Flughafenabgrenzung z. B. mind 26 singende Nachtigallen zu erfassen.
Erstaunlich zudem, was sich gleichentags auf einer 2,3ha kleinen Feucht- und Ruderalfläche 150m neben der Landepiste 14 und dem Zuschauerplatz beobachten liess: unter den rund 25 Vogelarten waren u. a. 4 Grauammern (2 revieranzeigende Paare), 4 rastende Ortolane (eine singend, siehe Videoclip), eine Rohrammer und 6 Goldammern, ferner 2 Nachtigallen, 1 Feldschwirl und ein Teichhuhn. Erstaunlich, dass sich die Vögel vom grossen Lärm der minütlich anfliegenden Flugzeuge kaum ablenken lassen, Rotmilane und Turmfalke wie gelassen neben den Flugzeugen im Aufwind stehen.
↓↓ Natur_und_Landschaft am Flughafen Zürich (pdf, 0,61 Mb)
Singender Ortolan am 22.04.2011 neben der Landepiste 14 des Flughafens Zürich. Der leise Gesang geht neben singenden Nachtigallen und dem Lärm landender Flugzeuge fast unter (Videoclip per Digiscoping, S. Trösch).
Von heimziehenden Blaukehlchen und einem möglichen Lannerfalken bei Moos
Seit rund zehn Tagen ist im Bodenseegebiet und in der Region Schaffhausen der Vogelzug zunehmend spürbar, mit vielen heimkehrenden, am Boden rastenden oder ziehenden Vögeln. Mit dem Abklingen der starken, und frischen Windströmung aus NE (Bise) anfangs dieser Woche nahm der sichtbare Vogelzug zu und gipfelte z. B. in der Region Schaffhausen am Mittwoch, 23.03.11. Auf dem “Galgenbuck” bei Neuhausen erfasste ich an diesem Tag von 06:30 bis 15:45 Uhr z. B. 8 Schwarzstörche, rund 9’500 Ringeltauben, 26 Schwarzmilane, 3 Fischadler, 6 Rohr- und eine Kornweihe, 15 Sperber sowie rund 19’000 Buchfinken. Auch im Vorarlberger Rheindelta gab es interessante Beobachtungen, so z. B. mind. 119 Goldregenpfeifer und 8 Kraniche am 19.03.11 (Nikolai Orgland) und in den letzten Tagen wurden an mehreren Stellen am Bodensee Seltenheiten wie z. B. Sumpfohreule, Stelzenläufer, Säbelschnäbler gesehen . Im Schaffhauser Klettgau haben mehrere Schwarzkehlchen und Grauammern ihre Reviere in den ökologischen Ausgleichsflächen seit einer Woche besetzt und in der Stadt Schaffhausen sind am 22.03.11 die ersten Alpensegler eingetroffen (Martin Roost).
Weisssterniges Blaukehlchen Luscinia svecica cyanecula — 26.03.2011, Moos / Radolfzeller Aachmündung — Video: Stephan Trösch (Bei Vollbild bitte HD wählen).

Die jetzt heimziehenden Blaukehlchen profitieren am Bodensee vom günstigen Wasserstand (Pegel Konstanz am 26.03.2011 = 284cm) und sind jetzt an einigen Stellen zu sehen, besonders an der Radolfzeller Aachmündung, wo sich seit einer Woche 1-4 Ind aufhalten.
Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. “calidus”?
Heute Samstag, 26.03.11, wurde an der Radolfzeller Aachmündung ein Falke beobachtet, mit folgenden Grobkennzeichnung: Greifvogel vom Typ “Lannerfalke”, Falco biarmicus, ggf. auch junger Wanderfalke ssp. “calidus”. Am Boden kräftig wirkender Falke mit auffallend langen, hellen, sandfarbenen Hosen, allgemein hellbrauner Erscheinung mit auffäligem, durch schwarzen Bartstreif und Augenbinde kontrastreichem Kopf und hellem Scheitel. Schwanz gleich lang wie Flügel. Im Flug ähnlich Wanderfalke, jedoch “schwerfälliger” wirkend. Trägt weder Geschüh noch Ring. Kommentare zu diesem Vogel sind hier erwünscht.
(Sämtliche Beobachtungsangaben, ausser diejenigen des Autors, ohne Gewähr, Quelle www.ornitho.ch)
Extreme Schnee- und Frostverhältnisse machen den Wintergästen zu schaffen
Seit rund vier Wochen führt ein überaus harter Winter das Regime über Landschaft, Tier und Mensch. Die Bodenseeregion ist mit Temperaturen von bis zu -15°C betroffen, mit gefrorenen Böden und tief verschneiten Landschaften. Die Kälte hat inzwischen viele Uferstreifen und Flachwasserzonen des Bodensees zufrieren lassen. Zudem ist der Wasserstand rund einen halben Meter höher als in anderen Wintern (Pegel Konstanz am 28.12.2010 bei 323 cm), was für die überwinternden Wasservögel zusätzliche Probleme für die Nahrungssuche bedeutet. Das zunehmende Auftreten von Zwergsägern lässt auf einen weiterhin strengen Winter schliessen.
Singschwäne weichen auffällig an verschiedene Bereiche des Sees aus, um an günstige Nahrungsquellen in noch wenig vereisten Flachwasserzonen zu kommen (siehe Bild von www.ornitho.ch). Für die überwinternden Limikolen, wie z. B. Alpenstrandläufer (siehe Bild oben) oder Grosse Brachvögel kann es kritisch werden. Im Gebiet um Moos-Radolfzell am westlichen Bodensee sind kaum noch Brachvögel an ihren Tagesplätzen zu sehen, während die Schlafplatzgesellschaft bei Egnach-Arbon am schweizerischen Obersee mit rund 800 Ind. (26.12.2010) weiterhin einen sehr hohen Bestand aufweist. Die seenahen Tagesplätze sind dort vor Weihnachten kurzfristig aufgetaut (20.12.2010), um danach – wie überall – wieder zu hart gefrorenen und schneebedeckten Böden zu werden. Unglaublich, wie es die Brachvögel trotzdem schaffen, im 20-30cm tiefen Schnee mit ihren Bogenschnäbeln an Regenwürmer zu kommen! Aktuell dürfte sich der Bestand an überwinternden Brachvögeln in der Schweiz und im Bodenseegebiet auf rund 1200-1300 Ind. belaufen!
Reichlich später als sonst wurde der erste Eistaucher in diesem Winter am Bodensee entdeckt (Arbon, 19.12.2010, S. Stricker). Der Vogel hält sich immer noch im Uferbereich vor Arbon TG auf. Auf der «Seetaucherstrecke» (zwischen Uttwil und Münsterlingen) halten sich derzeit etwa 20-30 Prachttaucher auf, rund ein dutzend Rothalstaucher und bis zu 9 Ohrentaucher (28.12.2010, S. Werner). Am Stephanstag sind die ersten Saat- und Blässgänse im Bodenseegebiet entdeckt worden (Vorarlberger Rheindelta, M. Lang), während eine Gruppe von 13 Zwergschwänen bereits seit dem November am Bodensee weilt. Der erwartete (und erhoffte) Einflug von Seidenschwänzen bleibt vorerst aus. Nach wenigen Einzelbeobachtungen in der Schweiz und einem Ind. am Seerhein bei Gottlieben TG am 21.12.2010 (S. Werner) gelang am 28.12.2010 auch im Rheindelta eine erste Sichtung (4 Ind. am Rohrspitz, M. Breier) sowie bei Dachsen SH einer (R. Brunschwiler). In Schaffhausen wurde dieser Tage ein völlig ausgehungerter Mäusebussard gegriffen (M. Roost, mündl.). Solche Ereignisse dürften in den nächsten Tagen bei unveränderter Witterungslage zunehmen.
Bodensee: kaum Rastplätze für ziehende Limikolen
Vom Freitag, 13.08. bis Sonntag, 15.08.2010 erlebte ich wieder einmal eine Rheindeltaexkursion vom Feinsten. Die Wetterentwicklung mit einem Mix aus Sonne und stärkeren Regenschauern, insbesondere vom Samstag auf Sonntag, liess einen stärkeren Tageszug bei Kleinvögeln und Limikolen erwarten. Allerdings stand der Wasserstand des Bodensees auf einer Höhe, wo es in allen Seeteilen kaum Rastplätze mit Schlick- und Sandflächen gab. Mit der Pegelmarke von 440cm (Konstanz 15.08.2010) lag der Wasserstand rund einen halben Meter über dem langjährigen Mittel. Am ehesten wären noch im Vorarlberger Rheindelta Rastplätze zu erwarten gewesen, da z. B. das Ermatinger Becken (Untersee) bereits ab einer Pegelmarke von etwa 340cm keine freien Schlickflächen mehr hat, im Rheindelta ab etwa 420cm. Dort stand das Vorland beim Rheinkanal unter Wasser, geeignet für Wasserläufer, nicht aber für Strandläufer und andere.
Eine sorgfältige Begehung des Sanddeltas (zusammen mit F. Ammann, B. Bürgi und I. Haffter) von rund sechs Stunden am Samstagvormittag brachte über 50 Vogelarten hervor. Auffällig die rund 8 Klappergrasmücken, welche durch ihre Warnrufe in Büschen auf sich aufmerksam machten. Neben sehr vielen Teichrohrsängern, Zilpzalpen und einzelnen Fitissen zeigte sich in der Lagune auch ein Schilfrohrsänger. Prächtig präsentierten sich zwei Zwergdommeln (♂ und ♀) am Schilfrand und zuvor flog ein immaturer Nachtreiher zum Sanddelta. Neben einem Rotschenkel, 2 Grünschenkel, Wald- und Bruchwasserläufer war dann ein Steinwälzer auf einem Seeschwalbenbrutloss in der Lagune ein Lichtblick an diesem sonnigen Tag. Auf dem Weg zurück überraschten 3 Raubseeschwalben, die um die Mittagszeit dem Rheinkanal folgend Richtung Süden flogen.
In der Nacht auf Sonntag gab es überall verbreitet Regen; es wurde gebietsweise vor hochgehenden Bächen und Flüssen, teilweise sogar vor Überschwemmungen gewarnt. Im östlichen Bodenseegebiet schien dies nicht der Fall gewesen zu sein. Der Sonntagmorgen zeigte sich bedeckt und regnerisch, als ich mit dem Fahrrad bereits um 06:30 Uhr dem linken Rheindamm entlang radelte. Die morgendliche Frische – allerdings noch ohne Kaffee im Bauch – tat gut und ich hatte ein gutes Gefühl für diesen Tag. Der Steinwälzer war immer noch in der Lagune zu sehen und schon hörte ich von weitem Grünschenkel rufen. Um 06:50 Uhr kam ein Trupp (8 Ind.) von der Rheinmündung her angeflogen, darunter waren auch ein Rotschenkel, 2♂ Kampfläufer und wie sich später überraschend zeigte auch eine Pfuhlschnepfe. Lange kreisten die Limikolen im Gebiet auf der Suche nach einem günstigen Landeplatz. Um 06:55 Uhr hörte ich die Rufe von Sandregenpfeifern und sah alsbald eine Gruppe von 12 Ind. dem Rheinkanal entlang südwärts fliegen. Neben Waldwasser- und einer Gruppe Bruchwasserläufern, einer Bekassine und einem überhinfliegenden Dunklen Wasserläufer freute ich mich über 11 Alpenstrandläufer, die im Gebiet auftauchten und um 08:20 Uhr dann v. a. über 5 hoch fliegende und rufende Kiebitzregenpfeifer (um 11:45 Uhr dann nochmals einer). Ich war restlos begeistert, an diesem trüben Morgen 14 Limikolenarten beobachten zu können.
Nach einem stärkenden Frühstück in Höchst fuhr ich mich dem Fahrrad vom Schleienloch den rechten Damm vor bis Km 93.6. Dort war Schluss, weil der Wasserstand die seeseitige kleine Lagune mit dem Rheinkanal verband. Die Furt war nur etwa 30cm tief, doch wollte ich die an der Mündung ruhenden Möwen nicht stören. Mittlerweile hatte der Wind von SE auf SW gedreht und frischte mit böigen 4-6 Beaufort auf. Ich stand ganz vorne bei der Furt, hörte wiederholt Grünschenkel, gelegentlich flitzte ein Alpenstrandläufer und ein Sandregenpfeifer vorbei. Von Norden flogen 4 weitere Grünschenkel an, einzelne Bruchwasserläufer und auch 2 Regenbrachvögel. Plötzlich flog eine Raubseeschwalbe fast unbemerkt an mir vorbei, ihr folgten noch zwei andere, später noch ein 4. Ind. Gelegentlich jagten sie am Rheinkanal oder seeseits in der kleinen Lagune, wiederholt ruhten sie unter einem Trupp Mittelmeermöwen an der Rheinmündung. Der SW-Wind schien an Stärke zuzulegen und an den Hängen zwischen Walzenhausen und Heiden sah es bedrohlich dunkel aus. Es blieb bei kurzen Schauern.
Plötzlich tauchte eine Gruppe mit rund 30 Trauerseeschwalben auf, die um 13:10 Uhr von Westen angeflogen kamen und Richtung Bregenzer Bucht abdrehten. Eine knappe Stunde später flogen auf einmal rund 150 Trauerseeschwalben in mehreren “Wellen” von Norden an und zogen über den Rheinkanal Richtung Fussacher Bucht. Um 15:30 Uhr beendete ich meine dreitägige Rheindeltaexkursion und freute mich über das Erlebte und Gesehene (z. B. 16 Limikolenarten). Auf dem Heimweg sah ich bei Güttingen noch 4 juvenile Schwarzkopfmöwen. Weitere Beobachtungen unter www.ornitho.ch.
Schwarzstörche beziehen Schlafplatz in Schaffhausen
Am Dienstagabend, 10.08.2010, entdeckte Martin Roost bei einer Baumfalken-Horstsuche in einem Wald an der Stadtgrenze zu Schaffhausen völlig überraschend 3 juvenile Schwarzstörche (Ciconia nigra), die auf einer Föhre einen Schlafplatz gefunden hatten. Der Schwarzstorch zählt zu den alljährlich über Schaffhausen durchziehenden Vogelarten. Die Beobachtungen sind trotzdem Glückssache. Der gegenüber dem Frühjahr deutlich stärkere Herbstzug beginnt in der Schweiz und im Bodenseegebiet bereits Anfang August, erreicht im September seinen Höhepunkt und klingt danach rasch aus. Die meisten Beobachtungen beziehen sich auf ziehende oder rastende Vögel. Nachweise von Schlafplätzen während des Zuges liegen aus der Schweiz nicht vor (MAUMARY et al., 2007, Die Vögel der Schweiz).
Die bisherigen Wegzugmeldungen stammen v. a. aus dem St. Galler Rheintal und der Region Basel. Heute Abend um 20:00 Uhr wurden im Thurgauer Seebachtal bei Nussbaumen 7 ziehende Schwarzstörche gesehen (Roland Alder). Die Karte von www.ornitho.ch zeigt einen Überblick.
Vogelzug-Stau nach Wetterumschlag
Wunderschöne Frühlingstage mit sommerlichen Temperaturen wurden am 30.04.2010 abrupt von einem Kälteeinbruch mit Dauerregen abgelöst. Interessante Vogelbeobachtungen liessen nicht lange auf sicht warten, so wie dies bei solchen Wetterumschlägen sehr oft der Fall ist. Am 01.05.10 wurden auf dem Zellersee bei Moos 6 Weissflügel-Seeschwalben entdeckt, 3 Säbelschnäbler waren weiterhin an der Radolfzeller Aachmündung zu sehen und im Ermatingerbecken rasteten über 150 Kampfläufer, 1 Seeregenpfeifer, gegen 50 Bruchwasserläufer und 4 Küstenseeschwalben*. Interessante Limikolenzahlen wurden auch aus dem Eriskircher Ried gemeldet, z. B. 2 Säbelschnäbler und 5 Temminckstrandläufer. Aus dem Vorarlberger Rheindelta gab es bereits am 29.04.10, also am Tag vor dem Wetterumschwung, interessante Beobachtungen mit z.B. 1 Wiesenweihe, 1 Fischadler, 1 Kiebitzregenpfeifer, 7 Weissbartseeschwalben, 1 Raubseeschwalbe, ~6 Rotkehlpieper und gegen 80 Schafstelzen, dann am 01.05.10 ~100 (!) rastende Steinschmätzer, ~200 Schafstelzen, 2 Temminckstrandläufer, 1 Raubseeschwalbe, 2 Weissbartseeschwalben und 7 Rotkehlpieper.
Heute 02.05.10 bei Dauerregen und Temperaturen um 10°C waren die 3 Säbelschnäbler an der Radolfzeller Aachmündung immer noch anwsesend, im Ermatinger Becken ruhten mind. 72 Zwergmöwen (60 ad. + 12 2Y) auf dem Schlick und in den Riedwiesen suchten 22 Braunkehlchen auf einer Viehweide nach Nahrung (Beobachtungsangaben aus meinem persönlichen Tagebuch und aus www.ornitho.ch, Meldungen mit einem * vorbehaltlich der Anerkennung durch die zuständige Avifaun. Kommission).
Krauskopfpelikan wieder im Rheindelta
Der am 10.04.2010 durch Hubert Salzgeber im Vorarlberger Rheindelta entdeckte Krauskopfpelikan kam nach einer “Ehrenrunde” am Klingnauer Stausee (Schweiz, Kanton Aargau) am 12./13.04.2010 und einem kurzen Zwischenhalt am 19.04.2010 an der Radolfzeller Aachmündung / Moos D heute 20.04.2010 wieder an der Ort der Entdeckung zurück. Bei regnerischem Wetter hielt sich der Vogel bei den Pallisaden am Rheinspitz / Wetterwinkel auf (siehe Fotos von Stephan Trösch). Wohin es den Pelikan wohl noch ziehen wird?
[Nachträge vom 26.04.2010] Der Krauskopfpelikan scheint sich weiterhin im Vorarlberger Rheindelta aufzuhalten. Die weiteren Beobachtungsdaten sind: 21.04.2010, Rheinspitz (Stefan Werner) und 25.04.2010, Fussacher Bucht (Uwe Peting, Brigitte Weinert).
Bei schönem Frühlingswetter (trotz Bewölkung und Schauerneigung) und angenehmen Temperaturen genoss ich den Tag im Vorarlberger Rheindelta. Rund 40km radelte ich mit dem Bike durch das Gebiet und erlebte einmal mehr die Vorteile dieser Fortbewegung. Ich startete um 06:00h beim Schleienloch und bis um 09:00h war ich an der Rheinmündung auf der rechten Dammseite bei Km 94.5. Ein Brachpieper flog rufend auf und insgesamt gegen 40 Schafstelzen waren zu sehen. An Limikolen lediglich 12 Grünschenkel und 2 Sandregenpfeifer. 2 Rohrweihen zogen frühmorgens über den See, am Nachmittag dann noch eine beim Rohrspitz. Danach besuchte ich die Fussacher Bucht beim “Hörnle”, wo interessanterweise keine Weissbart- und Trauerseeschwalben zu sehen waren (am 19.4.10 bei Moos 6 Weissbartseeschwalben und im Ermatinger Becken 7 Ind.). Bei der Lagune ein Trupp von rund 50 Schafstelzen (M.f.flava), darunter auch eine M.f.thunbergi und eine “Maskenstelze” M.f. feldegg. Am Schilfrand zeigte sich ein Tüpfelsumpfhuhn und eine Wasserralle. Erste Teichrohrsänger sangen verhalten. Über Mittag beim Rohrspitzgrund / Glashaus eine uferlängs ziehende Wiesenweihe und im Höchster Ried ein erster Baumfalke. Fitis in den Riedgebieten recht zahlreich, mindestens 4 Kuckucke singend und im Wetterwinkel 16 Samtenten und sogar 2 Prachttaucher. Weitere Beobachtungen wie immer unter www.ornitho.ch.
Abschluss der Wasservogelzählungen 2009/2010
Am heutigen Sonntag, 18.04.2010, wurden am ganzen Bodensee zum letzten Mal in der Saison 2009/2010 die Wasservögel gezählt. Mein Zählgebiet liegt zwischen Uttwil und Münsterlingen, am schweizerischen Obersee, unter Ornithologen auch bekannt als die “Seetaucherstrecke”. Angesichts der günstigen Wetterlage und dem erwarteten Bootsverkehr war ich bereits nach sieben Uhr im Gebiet, das sich nun ohne die winterlichen Vogelmassen (v. a. Blässhühner, Reiher- und Tafelenten) präsentierte. Interessanterweise waren rund 650 Haubentaucher auf der Zählstrecke, jedoch zu 95% über einen Kilometer weit draussen auf dem See. Vor den Schilfzonen waren nur wenige balzende Paare zu sehen. Zwischen Güttingen und Uttwil hielten sich noch 29 Prachttaucher auf, die meisten im Prachtkleid. Auch von den mind. 3 überwinternden Eistauchern waren heute 2 immat. zu sehen, für einmal in günstiger Distanz für das Digiscoping. Die nächste Zählsaison beginnt im September 2010.
Auffällig waren am Seeufer bei Kesswil ein Trupp von mind. 60 Schafstelzen (M.f.flava) sowie als kleine Überraschung an gleicher Stelle 4 ♂ Ortolane. Auf dem Heimweg suchte ich noch einige Äcker ab und entdeckte tatsächlich zwischen Güttingen und Kesswil einen Brachpieper und einen Steinschmätzer. Mein erster Frühlingsbesuch im Wollmatinger Ried bescherte mir einen Baumfalken und eine 2Y Kornweihe, ferner auch je einen singenden Schilfrohrsänger, Rohrschwirl und Grauspecht. Im Ermatinger Becken waren mind. 17 Grünschenkel, 1 Regenbrachvogel und 32 Grosse Brachvögel zu sehen.
Den angenehmen und recht milden Frühlingstag schloss ich mit einem Besuch der Radolfzeller Aachmündung bei Moos ab. Einige Limikolen, wie 9 Grünschenkel, 1 Rotschenkel, 2 Bruchwasserläufer, 1 Waldwasserläufer, 1 Kampfläufer und 3 Flussregenpfeifer, waren anwesend sowie ein ♂ Blaukehlchen, das sich leider nur kurz am Schilfrand zeigte.



































































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