Essenzen aus meinem ornithologischen Tagebuch

Seltene Vogelarten

Ein Gelbschnabeltaucher am Bodensee

Gelbschnabeltaucher 2Y, 12.02.2012, Uttwil TG (Digiscope S. Trösch)

Zum Abschluss der monatlichen Wasservogelzählung auf der «Seetaucherstrecke» zwischen Münsterlingen und Uttwil gelang mir heute Sonntag, 12.02.2012, kurz nach 14:00 Uhr die Entdeckung eines GELBSCHNABELTAUCHERS (2. KJ) Gavia adamsii. Der sehr seltene Wintergast tauchte zusammen mit einem Prachttaucher Gavia arctica in etwa 250m Entfernung zum Schiffsteg Uttwil TG.  Mit dem ersten Blick durchs Fernglas sah ich zunächst einen sehr grossen Seetaucher und mit dem Fernrohr erkannte ich zweifelsfrei diese Art – eine persönliche Erstbeobachtung, der 7. Nachweis für das Bodenseegebiet (nach zuletzt 2002) und für die Schweiz erstmals wieder nach 1996 (MAUMARY et al.,  Die Vögel der Schweiz, 2007).

Gelbschnabeltaucher 2Y, 12.02.2012, Uttwil TG (Digiscope S. Trösch)

Auffällig waren der gelbliche und aufwärts gerichtete wuchtige Schabel, mit einem auffällig gewinkelten Unterschnabel. Neben dem bräunlich-verwaschenen Körper waren auch der helle Kopf, der dunkel verwaschene Ohrfleck und die helle Halshinterseite auffällig. Der Vogel tauchte jeweils mind. 100m (!) und entzog sich so fast der Beobachtung. Um 14:40 Uhr konnte ich den Vogel weiter nordwestlich vor dem 2km entfernten Kesswil beobachten und um 15:30 Uhr 3km seeabwärts vor Güttingen (zusammen mit Manuel Schweizer).

Möglicherweise handelt es sich um denselben Gelbschnabeltaucher, der sich vom 08. bis 10.02.2012 in Norditalien aufhielt. Der erkennbare Überbiss beim Schnabel ist auch auf einem Foto aus Italien zu sehen, siehe http://www.ornitho.it/index.php?m_id=54&mid=34251 (Dank an Stefan Werner für den Hinweis).

Gelbschnabeltaucher, 13.02.2012, Uttwil (Digiscope S. Trösch)

Gelbschnabeltaucher 2Y, 16.02.2012, Arbon TG (Digiscope S. Trösch)

Gelbschnabeltaucher 2Y, 18.02.2012, Arbon TG (Digiscope S. Trösch)


Gelbschnabeltaucher, 18.02.2012, Arbon (Videoclip von Stephan Trösch)


Die bisherigen Nachweise des Gelbschnabeltauchers in der Schweiz und am Bodensee:

2000
21.02. – 12.03.00, 1 Ind. 2.KJ, Gundholzen/Höri (S. Werner, S. Schuster, Ornith. Rundbrief für das Bodenseegebiet, Nr. 156/April 2000, unveröff.)

1996
07.01. – 21.021996, 1 Ind. 2.KJ, Bodman (S. Werner, F. Portala et al., in HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)
07.04.1996, 1 Ind. 2.KJ, Güttingen TG (H. Klopfenstein in MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007)
23. – 26.06.1996, 1 ad. PK, Eriskircher Ried (G. Knötzsch, M. Hemprich, D. Koch, R. Ertel in HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)

1994/1995
12.12.1994 – 28.02.1995, 1 juv., zwischen Landschlacht TG und Rorschach SG (H. Leuzinger in MAUMARY et al., 2007)

1982
24.01. – 09.03.1982, 1 Ind. 2.KJ, Eschenz TG, Öhningen BW und Mannenbach TG (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)

1976
25. – 29.02.1976, 1 Ind., Stockacher Aachmündung (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999)

1973
02./06.12.1973, 1 Ind. 1.KJ, Rheinfelden AG (MAUMARY et al., 2007)


Die Schnabelformen der Seetaucher (aus PETERSON et al., Die Vögel Europas, 10. Aufl., 1973)


Starker Einflug von Falkenraubmöwen am Bodensee

Falkenraubmöwe 1Y, 11.09.2011, Bodensee Mitte (Foto: Eric Christen)

Seit den ersten Septembertagen 2011 halten sich mehrere Raubmöwen auf dem Bodensee auf. Am 06.09.11 entdeckten S. Stricker und D. Riederer von Romanshorn aus gegen Seemitte 4 Falkenraubmöwen, 1 Schmarotzer- und eine unbest. juvenile Raubmöwe. In den folgenden Tagen wurden diese Beobachtungen von anderen Ornithologen bestätigt. Die Anzahl der beobachteten und durch Fotos belegten Falkenraubmöwen stieg von 5 Ind. am 07.09.11 (S. Werner) auf bis zu 7 Ind. am 11.09.11 (E. Christen, N. Orgland, J. Hochuli, S. Werner) an. Dank der Initiative einiger junger Ornithologen um Nikolai Orgland erfolgten die Beobachtungen von einem gemieteten Kleinmotorboot aus, mit dem die Gruppe die Seemitte ansteuerte und so den Raubmöwen auf die Spur kam. Mehrere andere Beobachter nutzten danach diese Erfahrung mit dem Boot ebenfalls und kamen so zu weiteren Raubmöwen-Nachweisen (weiterhin bis zu vier Falkenraubmöwen, mind. 1 Schmarotzerraubmöwe sowie eine unbest. Raubmöwe)  in  Mitte des internationalen Bodensees (Kondominium). Die bisher letzte Beobachtung gelang S. Trösch am 17.09.11 vom Ufer aus bei Güttingen TG mit 2 jagenden juvenilen Falkenraubmöwen. Quelle der Beobachtungsdaten: www.ornitho.ch. Herzlichen Dank an Christian Beerli und Eric Christen für die Zurverfügungstellung ihrer Fotos.

Falkenraubmöwe 1Y, 11.09.11, Bodensee Mitte (Foto: Christian Beerli)

Dieser Einflug von Raubmöwen, speziell der Falkenraubmöwe, am Bodensee, steht offenbar im Zusammenhang mit einem ausserordentlich guten Bruterfolg. In Skandinavien soll es das beste Lemmingjahr seit 1978 gegeben haben (N. Orgland, briefl., in Club300 CH). Im September 2011 erfolgte in Spanien eine regelrechte Invasion mit weit über 1000 (!) Falkenraubmöwen – siehe Rare Birds in Spain: recent Reports – offenbar auch in Italien am Gardasee wurde diese Art beobachtet.

In Europa kommen vier Raubmöwenarten vor: die Skua (als grösster Vertreter), die Spatelraubmöwe, die Schmarotzerraubmöwe und die Falkenraubmöwe (als kleinster Vertreterin dieser Gruppe). Das Brutgebiet dieser vorwiegend auf dem Meer lebenden Vögel liegt an den Küsten Nordeuropas. Alle Arten sind in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland schon nachgewiesen worden, so auch am Bodensee, zählen aber zu den ornithologischen Seltenheiten. Die Bestimmung dieser sehr ähnlichen Arten, mit zudem im selben Alterskleid unterschiedlichen Farbmorphen erfordert gute Kenntnisse und Erfahrung. Sämtliche Beobachtungen aller Arten sind daher bei den zuständigen avifaunistischen Kommissionen protokollpflichtig.

Beobachtergruppe am 14.09.11 auf dem Bodensee bei der Suche nach Raubmöwen.

Ornithologische Bootstouren haben z.B. auf dem Genfersee seit Jahren Tradition, weshalb auf diesem grössten Schweizer Gewässer auch die meisten Nachweise von Raubmöwen stammen. Am Bodensee konnte eine herbstliche Überfahrt auf der Fährlinie Romanshorn-Friedrichshafen immer zu überraschenden Beobachtungen in Seemitte führen. Ständige Begleiter während den Bootstouren im September 2011 waren in Seemitte z. B. einzelne Schwarzkopfmöwen, Trauer- und Flussseeschwalben und bis zu 15 Zwergmöwen am 14.09.11.

Schwarzkopfmöwe 1Y, 14.09.11, Bodensee Mitte (Foto S. Trösch)

Zwergmöwe 1Y, 07.09.11, Bodensee Mitte (Foto C. Beerli)

Spatelraubmöwe 1Y, 14.11.2010, Kesswil TG (Foto S. Trösch)


Kuhreiher als auffällige Sommergäste im Vorarlberger Rheindelta

Kuhreiher, 18.07.2011, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Seit dem 15.06.2011 (1 Ind., D. Hollenstein) halten sich bis zu 6 Kuhreiher Bubulcus ibis im Vorarlberger Rheindelta auf. Die Anzahl der fast täglich beobachteten Vögel schwankt zwischen einem und mehreren Individuen, die sich vornehmlich im Bereich des Fussacher Rückhaltebeckens aufhalten.  Dieser Ort ist Brutplatz für Flussseeschwalben und wichtiger Ruheplatz für mehrere Hundert Grosse Brachvögel. Der östliche Bereich gehört zum Bauernhof der Familie Kuster, die ihre Kühe in einem eingezäunten Bereich weiden lassen. Ihrem Namen gerecht werdend halten sich die Reiher gerne zwischen den Kühen auf und picken Fliegen von deren Fell. Dies sorgt gelegentlich für Irritationen beim Vieh, die sich die Anwesenheit dieser schmucken Reiher nicht gewohnt sind. Die Reiher können auch im hohen Gras auf der Jagd nach Grossinsekten beobachtet werden.

Im Bodenseegebiet zählt der Kuhreiher – nach dem Erstnachweis von 1974 (SCHUSTER et al. 1983, Die Vögel des Bodenseegebietes) – zu den sehr seltenen, sporadisch auftretenden Gästen, v. a. im April/Mai und von Juni bis August (HEINE et al. 1999, Die Vögel des Bodenseegebietes, S. 214).  In diesem Jahr gab es bereits mehrere Nachweise am Bodensee, so z. B. am 19.04.2011 im Eriskircher Ried (4 Ind., G. Knötzsch) oder überraschenderweise am Lengwilerweiher bei Kreuzlingen TG (1 Ind. am 26./27.04.2011, S. Muff und S. Werner). Angaben aus www.ornitho.ch.

Nachweise des Kuhreihers in der Schweiz 2011 (Quelle: www.ornitho.ch)

In der Schweiz wurde der Kuhreiher 1974 zum ersten Mal nachgewiesengab, die Art zählt heute zu den alljährlichen Gastvögeln, insbesondere in der westlichen Landeshälfte (MAUMARY et al. 2007, Die Vögel der Schweiz, S. 111). In diesem Jahr gab es schon etliche Beobachtungen, was in der nebenstehenden Karte aus www.ornitho.ch zum Ausdruck kommt.

In Österreich gibt es im Jahre 2011 bisher 19 anerkannte Nachweise des Kuhreihers, die Wildvögel betreffen. Die meisten Beobachtungen 2011 stammen aus dem Burgenland (Seewinkel, 7 Nachweise) und Vorarlberg (Rheindelta, 9 Nachweise). Da die Art auch in vielen mitteleuropäischen Zoos gehalten wird, muss die Frage der Herkunft selbst bei unberingten Vögeln offen bleiben. Im vorliegenden Fall der 6 Individuen im Vorarlberger Rheindelta würde es sich bei Anerkennung um den bisher grössten Trupp in Österreich handeln, neben den 4 Ind. aus Salzburg (2008, 2009), die als Gefangenschaftsflüchtlinge eingestuft wurden (E. Albegger, briefl.).

Nachstehende Fotos mit Digiscoping vom Polderdamm aus. Vergrösserung durch anklicken!

Kuhreiher, 09.07.2011, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Kuhreiher, 09.07.2011, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Kuhreiher, 09.07.2011, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Kuhreiher, 20.07.2011, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Kuhreiher, 20.07.2011, Vorarlberger Rheindelta, bei starkem Westwind (Videoclip, S. Trösch) –> HD Qualität einschalten und vergrössern!


Notizen zum Vorkommen des Orpheusspötters in der Schweiz und im Bodenseegebiet

Orpheusspötter, 29.05.2004, Rheindelta (Foto S. Trösch)

In der Avifauna der Schweiz (WINKLER, 1999) wird der Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)  als ein “in Ausbreitung befindlicher Sommervogel” beschrieben, mit Verbreitungsschwerpunkten im Süden der Schweiz (Kantone Tessin, Wallis und Genf). Der Erstnachweis einer Brut gelang 1960 im Tessin, ihm folgte das Wallis (1970) und der Waadt (1983). Im Dreiländereck bei Basel zeichnete sich seit ab den 1980er Jahren ebenfalls ein regelmässiges Vorkommen ab, während aus der Ostschweiz damals nur sporadische Frühjahrsbeobachtungen vorlagen (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007).

Im Bodenseegebiet wurde der Orpheusspötter erstmals 1983 nachgewiesen (Vorarlberger Rheindelta), danach bis 1998 nicht alljährlich während dem Frühjahr und Sommer (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999).

Gemäss den “Rundbriefen für das Bodenseegebiet” Nr. 153 – 199 der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee wurde der Orpheusspötter ab 1999 im Bodenseegebiet wie folgt festgestellt (vorbehältlich der Anerkennung durch die zuständigen avifaunistischen Kommissionen, sofern nicht schon bearbeitet oder veröffentlicht):

1999 – 2 Nachweise im Juni (Radolfzeller Aachried und Moos)
2000 – 1 Nachweis im Juni bei Oberteuringen
2001 – 2 Nachweise im Mai (Rielasingen und Singen)
2002 – Einflug mit Beobachtungen an 10 Orten und Brutverdacht
2003 – 2 Nachweise im Rheindelta
2004 – 2 Nachweise im Mai/Juni (Hegau und Rheindelta, dort sogar 2 Ind.)
2005 – 17 Nachweise im Mai/Juni an 8 Orten, u. a. 2 Ind. im Rheindelta
2006 – 5 Nachweise, u. a. 3 Sänger im Rheindelta
2007 – keine Nachweise
2008 – keine Nachweise
2009 – 2 Nachweise im Rheindelta, zudem erster Nachweise im Kanton Schaffhausen (Blogartikel)
2010 – 1 Nachweis aus dem Raum Markelfingen
2011 – Bisher Nachweise vom Rheindelta, Weitenried (Steisslingen), Mindelsee, von Ravensburg-Oberzell, aus dem Hegau sowie ein 2. Nachweis im Kanton Schaffhausen.

Die dezent spürbar laufende Expansion des auf der iberischen Halbinsel, Frankreich, Italien und Nordafrika verbreitet vorkommenden Orpheusspötters in östliche Richtung scheint parallel mit der Klimaerwärmung auch zunehmend den Gelbspötter aus Mitteleuropa (wo er seine westliche Verbreitungsgrenze hat) zu verdrängen. In “Die Vögel der Schweiz” (MAUMARY et al., 2007) wird der Gelbspötter “anfangs des 20. Jahrhunderts noch als Charaktervogel der Gärten, Obstanlagen und des buschreichen Geländes” angenommen. Die Verbreitungskarte des Gelbspötters zeigt für die Schweiz eine Konzentration der Beobachtungen auf die Ostschweiz, während der Orpheusspötters bereits die West- und Südschweiz zu besiedeln begann. Auf www.ornitho.ch können die aktuellen Beobachtungen in der Schweiz für den Juni 2011 verfolgt werden (siehe nachstehende Kartenextrakte aus ornitho.ch).

Gelbspötter Schweiz Juni 2011 (Quelle: www.ornitho.ch)

Orpheusspötter Schweiz Juni 2011 (Quelle: www.ornitho.ch)

Sumpfrohrsänger Acrocephalus palustris, 11.06.2011, Vorarlberger Rheindelta/Rohrspitzgrund (Video S. Trösch). Es wird empfohlen, zur besseren Videoqualität den HD-Modus anzuwählen. [update 18.06.2011]

Sumpfrohrsänger, 10.06.2011, Rheindelta (Foto M. Tobler)

Nach einer Diskussion (u. a. im Club300 Austria) mit erfahrenen Ornithologen handelt es sich beim Vogel im Videoclip um einen Sumpfrohrsänger und NICHT Orpheusspötter, wie zunächst an dieser Stelle beschrieben.

Die nachstehende Begründung (unter Anfügung einer weiteren Aufnahme des betreffenden Vogels von Markus Tobler vom 10.06.2011 an der gleichen Stelle) stammt vom schweizer Ornithologen Paul Mosimann-Kampe:

«Es handelt sich um einen Sumpfrohrsänger und zwar aus folgenden Gründen:
Struktur: die HS-Projektion ist zu lang und insbesondere die Flügelformel ist diejenige eines langflügligen Rohrsängers und keinesfalls die eines OS. Es ragen min 6, wohl eher 7 HS-Spitzen über die Schirmfedern hinaus (bei OS 5). Das Schwanzende ist stark abgerundet (bei OS gerade). Die Unterschwanzdecken sind lang, über die Hälfte des sichtbaren Unterschwanzes. Färbung: verschiedene Details, die auf SRS und nicht auf OS passen, z.B. Andeutung eines dunklen Zügelstreifs, helle HS-Spitzen und deutlich hell gesäumte Schirmfedern, komplette Absenz von Gelb in Gesicht und Unterseite, Beinfarbe. Gesang: repetitiv mit erkennbaren Imitationen und wechselnder Geschwindigkeit, es fehlt das hetzende, quirlige Geschwätz und die nach meiner Erfahrung immer irgendwie eingeflochtenen zeternden Spatzentöne des OS.» [ergänzender Artikelbeitrag vom 18.06.2011].

Das nachstehende Foto mit Audioaufnahme war bis zum 19.06.11 auf der rechten Spalte positioniert und wird – angesichts der Bestimmungsthematik – neu hier eingefügt.

Sumpfrohrsänger, und nicht wie ursprünglich angegeben ein Orpheusspötter (Foto und nachstehende Audioaufnahme vom 05.06.2011, Rheindelta, S. Trösch).



Mischbrut von Küstensee- und Flussseeschwalbe im Vorarlberger Rheindelta

Küstenseeschwalbe, 05.06.2011, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Das Vorarlberger Rheindelta beherbergt die grösste Flussseeschwalben-Kolonie am Bodensee. Die rund 250 Brutpaare umfassen zugleich etwa zwei Drittel des österreichischen Bestandes dieser Vogelart (D. BRUDERER in R. KILZER et al., Atlas der Brutvögel Vorarlbergs, 2011). Dank den künstlich erstellten Brutflossen in der Lagune nahe der Rheinmündung hat sich der Bestand auf etwa gleich hohem Niveau etabliert. Das Vorarlberger Rheindelta ist auch Durchzugsort von verschiedenen anderen Seeschwalbenarten, die alljährlich – auf dem Heim- und Wegzug – in unterschiedlicher Zahl gesehen werden können, wie z. B. Weissbart- oder die seltenen Weissflügelseeschwalben.

Rund 80'000km legt die Küstenseeschwalbe pro Jahr zurück (Quelle: http://www.spiegel.de)

Zu den ebenfalls seltenen, alljährlichen Durchzüglern zählt die der Flussseeschwalbe sehr ähnliche Küstenseeschwalbe Sterna paradisaea. Sie brütet im hohen Norden an den Küsten und überwintert zwischen Südafrika und der Antarktis. Sie legt dabei Zugwege von rund 30’000km, nach neuesten Forschungen sogar 80’000km pro Jahr zurück!

Aussergewöhnliches tut sich derzeit im Vorarlberger Rheindelta. Nachdem Beobachter im vergangenen Sommer 2010 schon eine Küstenseeschwalbe gesehen haben, die mit einer lokalen Artgenossin (Flussseeschwalbe) angebandelt hat, scheint nun in diesem Sommer eine echte Beziehung entstanden zu sein. Nach Beobachtungen einer Küstenseeschwalbe Ende Mai wurde nun auf einer der Lagune vorgelagerten Kiesinsel vermutlich dieser Vogel brütend entdeckt. Regelmässig können Brutablösungen zwischen den beiden unterschiedlichen Arten beobachtet werden, zudem auch Fütterungen des jeweils brütenden Vogels. Allerdings lässt der Neststandort kaum Hoffnung für eine erfolgreiche Brut zu, denn mit einem Ansteigen des derzeit immer noch sehr tiefen Bodenseewasserstandes um rund 15cm wird das Nest/Gelege verloren sein. Alle Aufnahmen und Clip mit Digiscoping von Stephan Trösch.

Phase vor der Brutablösung. Die Küstenseeschwalbe ist am Brüten und die Flussseeschwalbe fordert sie mit einem speziellen Verhalten zur Ablösung auf.

Die Flussseeschwalbe fordert die brütende Küstenseeschwalbe zur Ablösung auf.

Die Flussseeschwalbe ist jetzt am Brüten. Die Küstenseeschwalbe wird anschliessend ein Bad nehmen.

Ausgewählte Kiesinsel im Rheindelta (westlich Lagune) für die Mischbrut von Küsten- und Flussseeschwalbe.


8. Austrian BirdRace — 1. Rang eines Rheindelta-Teams, Vorarlberg in der Länderwertung auf Rang 1

Die achte Ausführung des “Austrian BirdRace” – eine gemeinsame Veranstaltung von bird.at und BirdLife Österreich – war in jeder Beziehung ein Grosserfolg. 101 Teams beobachteten am Wochenende vom 21./22.05.11 ab 15:00 Uhr innerhalb 24 Stunden in ganz Österreich 222 Vogelarten. Dank dem hervorragenden Abschneiden von 11 Teams in Vorarlberg erreichte dieses Bundesland in der Länderwertung in einer hauchdünnen Entscheidung Rang 1  [update 07.06.11, 00:02 Uhr].

Gleich drei Teams aus Vorarlberg sind im Gesamtranking unter den ersten Fünf platziert: den 1. Platz mit 137 (!) im Vorarlberger Rheindelta und Umgebung beobachteten Vogelarten holten sich “Die überfallenen Crex” mit Stefan Werner und Katharina Varga. Auf dem 3. Rang landeten die “Seniorenschrecks”, einem U18-Team mit Matthias Breier und Nikolai Orgland, die es auf ausgezeichnete 120 Vogelarten im Vorarlberger Rheindelta brachten, dicht gefolgt von den “Rheindelta Boosters” auf dem 5. Rang mit Stephan Trösch, Brigitte Girsberger und Alexander Breier, mit 104 beobachteten Arten. Die Berechnung erfolgte anhand der am BirdRace beobachteten Artenzahl im prozentualen Verhältnis zu den im jeweiligen Bundesland im Monat Mai zu erwarteten Arten. Die Siegerehrung findet am 04.06.2011 in Hittisau (Vorarlberg) im Rahmen der Jahresversammlung von BirdLife Österreich statt. Weitere Ergebnisse vom und Informationen zum BirdRace finden Sie auf der Website von bird.at.

Zu den Highlights dieses Wochenendes zählten im Rheindelta artenmässig u. a. Odinshühnchen, Küstenseeschwalbe, Orpheusspötter, Rallenreiher und Kurzzehenlerche sowie die schönen Teamerlebnisse in einer vielfältigen Landschaft. Die gemeinsame Nachtfahrt der drei Rheindelta-Teams mit dem Fahrrad durch die Riedlandschaft und die rufenden Wachtelkönige zählten zu den besonderen Erlebnissen dieses Bird Race. Jedes der Rheindelta-Teams radelte in den 24 Stunden über 71km.

Das Team "Rheindelta Boosters" mit v.l. Alexander Breier, Brigitte Girsberger und Stephan Trösch" beobachteten 104 Vogelarten und kamen auf den 4. Gesamtrang.

Bird Race Teams: links der U18- "Seniorenschreck" mit Nikolai O. und Matthias Breier, die den "Rheindelta Boosters" mit Alexander Breier, Brigitte Girsberger und Stephan Trösch (am Knipsen) am Schluss gehörig einheizten.

Ein Höhepunkt war die Entdeckung eines Odinshühnchens (W im PK) durch S. Werner westlich der Lagune am 22.05.11. Der seltene Gast sollte nur an diesem Tag zu sehen sein.

Am BirdRace-Wochenende hielten sich 2 Kurzzehenlerchen an der Rheinmündung auf.

Löffler

Fussacher Bucht

Fussacher Ried

Wetterwinkel

Fussacher Bucht

Rheinmündung

Alle Fotos von Stephan Trösch.


Von heimziehenden Blaukehlchen und einem möglichen Lannerfalken bei Moos

Luscinia svecica cyanecula ♂ -- 26.03.11, Moos (Foto S. Trösch)

Seit rund zehn Tagen ist im Bodenseegebiet und in der Region Schaffhausen der Vogelzug zunehmend spürbar, mit vielen heimkehrenden, am Boden rastenden oder ziehenden Vögeln. Mit dem Abklingen der starken, und frischen Windströmung aus NE (Bise) anfangs dieser Woche nahm der sichtbare Vogelzug zu und gipfelte z. B.  in der Region Schaffhausen am Mittwoch, 23.03.11. Auf dem “Galgenbuck” bei Neuhausen erfasste ich an diesem Tag von 06:30 bis 15:45 Uhr z. B. 8 Schwarzstörche,  rund 9’500 Ringeltauben, 26 Schwarzmilane, 3 Fischadler, 6 Rohr- und eine Kornweihe, 15 Sperber sowie rund 19’000 Buchfinken. Auch im Vorarlberger Rheindelta gab es interessante Beobachtungen, so z. B. mind. 119 Goldregenpfeifer und 8 Kraniche am 19.03.11 (Nikolai Orgland) und in den letzten Tagen wurden an mehreren Stellen am Bodensee Seltenheiten wie z. B. Sumpfohreule, Stelzenläufer, Säbelschnäbler gesehen . Im Schaffhauser Klettgau haben mehrere Schwarzkehlchen und Grauammern ihre Reviere in den ökologischen Ausgleichsflächen seit einer Woche besetzt und in der Stadt Schaffhausen sind am 22.03.11 die ersten Alpensegler eingetroffen (Martin Roost).

Weisssterniges Blaukehlchen Luscinia svecica cyanecula — 26.03.2011, Moos / Radolfzeller Aachmündung — Video: Stephan Trösch (Bei Vollbild bitte HD wählen).

Die jetzt heimziehenden Blaukehlchen profitieren am Bodensee vom günstigen Wasserstand (Pegel Konstanz am 26.03.2011 = 284cm) und sind jetzt an einigen Stellen zu sehen, besonders an der Radolfzeller Aachmündung, wo sich seit einer Woche 1-4 Ind aufhalten.

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. "calidus", Moos, 26.03.11 (Foto S. Trösch)

Lannerfalke oder Wanderfalke ssp. “calidus”?
Heute Samstag, 26.03.11, wurde an der Radolfzeller Aachmündung ein Falke beobachtet, mit folgenden Grobkennzeichnung: Greifvogel vom Typ “Lannerfalke”, Falco biarmicus, ggf. auch junger Wanderfalke ssp. “calidus”. Am Boden kräftig wirkender Falke mit auffallend langen, hellen, sandfarbenen Hosen, allgemein hellbrauner Erscheinung mit auffäligem, durch schwarzen Bartstreif und Augenbinde kontrastreichem Kopf und hellem Scheitel. Schwanz gleich lang wie Flügel. Im Flug ähnlich Wanderfalke, jedoch “schwerfälliger” wirkend. Trägt weder Geschüh noch Ring. Kommentare zu diesem Vogel sind hier erwünscht.

Unbestimmter Falke bei Moos am 26.03.11 (Foto S. Trösch)

(Sämtliche Beobachtungsangaben, ausser diejenigen des Autors, ohne Gewähr, Quelle www.ornitho.ch)


Spornammern im Vorarlberger Rheindelta – Invasionsartiger Einflug in Europa

Spornammer, 29.09.2010, Rheindelta (S. Trösch)

Die SPORNAMMER Calcarius lapponicus ist ein verbreiteter Brutvogel rund um den Nordpol, mit der Nominatform zwischen Südnorwegen und dem Mündungsgebiet der Kolyma (Russland) sowie mit vier Unterarten, z. B. C. l. subcalcaratus in Grönland und Nordkanada. Im europäischen Binnenland ist die Spornammer ein sehr seltener Durchzügler und Wintergast. In der Schweiz z. B. gab es bis in die jüngste Zeit etwa 30 Nachweise (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007). Aus dem Bodenseegebiet lagen bis Ende der 1990er Jahre 13 Beobachtungen vor, nahezu alle aus dem Vorarlberger Rheindelta (HEINE et al., die Vögel des Bodenseegebietes, 1999). Die Daten liegen ausnahmslos zwischen September und November.

Einem Kurzartikel in www.ornitho.ch vom 27.09.10 ist zu entnehmen, dass seit Ende August offenbar eine Invasion der Spornammer in Europa stattfindet, mit ungewöhnlich hohen Zahlen im Nordwesten, mit z. B. 120 Ind. am 31.08.10 auf Heimaey/Island, 185 Ind. am 01.09.10 bei Fair Isle/Shetland und etwa 30 Ind. am 16.09.10 auf Ouessant/Frankreich. Bereits 40 Ind. hätten Spanien erreicht.

Parallel mit dieser Entwicklung wurde am 18.09.10 im Vorarlberger Rheindelta im Mündungsgebiet des Rheins auf dem rechten Damm 1 Ind. entdeckt (M. & A. Breier, D. Hercigonja), tagsdarauf am 19.09.10 waren dort 2 Ind. zu sehen und am 26.09.10 hielten sich bereits 7 Ind. an gleicher Stelle auf (S. Werner, K. Varga, A. Schönenberger u. a.). Seither liegen fast durchgehend Beobachtungen von 1-3 Ind. vom rechten Rheindamm vor, am 29.09.10 waren 4 Ind. zu sehen (G. Segelbacher, S. Trösch, J. Ulmer u. a.). Bei diesen Individuen handelte es sich um ein Männchen und zwei Jungvögel. Die weitere Entwicklung ist abzuwarten. Eine Nachsuche in anderen günstigen Gebieten und Stellen dürfte sich im Moment lohnen. In der Zwischenzeit haben schon zahlreiche Beobachterinnen und Beobachter die Spornammern im Rheindelta aus nächster Nähe studieren können.


Spornammer, 29.09.10, Rheindelta (Foto S. Trösch)


Spornammer, 19.09.10, Rheindelta (Foto S. Trösch)


Spornammer, 19.09.10,Rheindelta (Foto S. Trösch)

Dr. G. Segelbacher und Mag. J. Ulmer diskutieren die Kleiderformen der Spornammer, 29.09.10, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Bienenfresser als neuer Brutvogel im Kanton Schaffhausen und in Vorarlberg (A)

Bienenfresser, 04.08.10, Schaffhausen (Foto S. Trösch)

Der Bienenfresser Merops apiaster zählt seit 1991 zu den regelmässig brütenden Vögeln in der Schweiz. Bis ins Jahr 2004 wurden 12 Brutorte erfasst (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007). Im Kanton Schaffhausen gab es bis anhin  nur sehr wenige Einzelbeobachtungen von Durchzüglern. Im Sommer 2010 gelang nun der erste Brutnachweis. Im benachbarten Hegau, auf deutschem Boden, gab es früher schon vereinzelte Bienenfresser-Bruten, bzw. Brutversuche, so dass die schaffhauser Brut in einem günstigen Habitat kein Zufall ist. Nach 7 ostwärts ziehenden Bienenfressern am 05.06.10 im Klettgau, wurden an anderer Stelle im Kanton im Laufe des Juli mehrmals Einzelvögel gesehen. Bei einer gezielten Nachsuche wurde dann der Brutplatz entdeckt. Aus Schutzgründen wurden die Meldungen bis zum Ende der Brutzeit (22.08.10) nicht veröffentlicht. Drei adulte Vögel fütterten von Mitte Juli bis zum 21.08.10 intensiv an zwei Brutröhren. Am 22.08.10 wurden 7 Ind. (wahrscheinlich 3 ad. + 4 juvenile) über dem Brutgebiet fliegend gesehen, bzw. Richtung Süden abziehend.

Bienenfresser, 17.08.10, Schaffhausen (S. Trösch)

Bienenfresser, 04.08.10, Schaffhausen (S. Trösch)

Bienenfresser, 17.08.10, Schaffhausen (S. Trösch)

Bienenfresser, 26.06.10, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Im österreichischen Bundesland Vorarlberg gab es im sommer 2010 auch den ersten Brutnachweis. Die Art ist bisher in Kärnten, im Burgenland, Wien, Nieder- und Oberösterreich als Brutvogel in kleineren Kolonien etabliert (E. Albegger, briefl.). Im Rheindelta wurden im Juni bis zu 15 Bienenfresser gesehen. An mehreren Stellen wurden Brutröhren vorangetrieben. Ein erster Brutplatz wurde im Juni aufgegeben und rund einen Kilometer entfernt entstanden neue Brutröhren. Nachdem der Brutverlauf bei mehreren Paaren günstig aussah, wurde der eine Brutplatz durch einen Bagger zerstört und der andere wurde im August wahrscheinlich von einem Fuchs ausgegraben, was leider das Aus bedeutete.

Die Zunahme der Bruten im mitteleuropäischen Binnenland erfolgt parallel mit der Klimaerwärmung, so dass an günstigen Orten (z. B. Trockengebiete im Hegau und Kanton Schaffhausen) wieder mit Brutansiedelungen zu rechnen ist.

Fotos und Videoaufnahmen entstanden mit Digiscoping aus einer  unproblematischen Distanz von 50-100 Metern.

Bienenfresser, 17.08.2010, Kanton Schaffhausen

Video in Flickr von Stephan Trösch. Zu sehen ist eine Fütterung sowie drei flügge Jungvögel, ferner auch eine weibliche Goldammer in Röhrennähe. Empfehlung: Vollbild-Modus  (4-Pfeile-Symbol rechts unten im Clip) sowie HD-Modus verwenden.


Schwarzstörche beziehen Schlafplatz in Schaffhausen

Schlafende Schwarzstörche, 10.08.2010, Schaffhausen (Foto S. Trösch)

Am Dienstagabend, 10.08.2010, entdeckte Martin Roost bei einer Baumfalken-Horstsuche in einem Wald an der Stadtgrenze zu Schaffhausen völlig überraschend 3 juvenile Schwarzstörche (Ciconia nigra), die auf einer Föhre einen Schlafplatz gefunden hatten. Der Schwarzstorch zählt zu den alljährlich über Schaffhausen durchziehenden Vogelarten. Die Beobachtungen sind trotzdem Glückssache. Der gegenüber dem Frühjahr deutlich stärkere Herbstzug beginnt in der Schweiz und im Bodenseegebiet bereits Anfang August, erreicht im September seinen Höhepunkt und klingt danach rasch aus. Die meisten Beobachtungen beziehen sich auf ziehende oder rastende Vögel. Nachweise von Schlafplätzen während des Zuges liegen aus der Schweiz nicht vor (MAUMARY et al., 2007, Die Vögel der Schweiz).

Die bisherigen Wegzugmeldungen stammen v. a. aus dem St. Galler Rheintal und der Region Basel. Heute Abend um 20:00 Uhr wurden im Thurgauer Seebachtal bei Nussbaumen 7 ziehende Schwarzstörche gesehen (Roland Alder). Die Karte von www.ornitho.ch zeigt einen Überblick.

Schwarzstorch, 10.08.2010, Schaffhausen (Foto S. Trösch)

Schwarzstorch - Herbstzugbeobachtungen Schweiz per 10.08.2010 (Quelle: www.ornitho.ch)


2. Rang für Bodensee-Team am 7. Birdrace Deutschland

Schwarzkopfmöwen unter Brachvögeln und Lachmöwen am 09.05.10 im Rheindelta (Foto S. Trösch)

Am Samstag, 09.05.2010, fand das 7. bundesweite Birdrace in Deutschland statt. Der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten organisierte Anlass mit 135 Teams wurde von den Iron Birden mit 162 beobachteten Arten in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Auf dem 2. Rang folgten – punktegleich mit dem Team Havelland - die Southernmost Lakers vom Bodensee. Diesem Team gehörten Stefan Werner, Hans-Günther Bauer und Stephan Trösch an. Sie beobachteten innerhalb von 24 Stunden 159 Vogelarten im Bodenseegebiet (Untersee, Hegau, Wollmatinger Ried, Seetaucherstrecke, Vorarlberger Rheindelta sowie im erweiterten Bodenseegebiet mit der Grenzregion Schaffhausen, Klettgau und den Randenhochflächen). Zu den Rosinen dieser sehr reichhaltigen Artenliste zählten u. a. Weissbartseeschwalbe, Weissflügelseeschwalbe, Wiesenweihe, Ortolan, Purpurreiher, Nachtreiher und Stelzenläufer. Das Wetter präsentierte sich an diesem Tag – inmitten von Regentagen – von seiner besten Seite und war mitverantwortlich für das sehr gute Ergebnis. Die Artenliste der Southernmost Lakers kann nachstehend heruntergeladen werden.

↓↓ Birdrace 2010 BRD Artenliste

Ausschau nach Seetauchern bei Kesswil TG, 09.05.2010 (Foto S. Trösch)


Vogelzug-Stau nach Wetterumschlag

Rotschenkel, 29.4.10, Rheindelta (Foto: S. Trösch)

Wunderschöne Frühlingstage mit sommerlichen Temperaturen wurden am 30.04.2010 abrupt von einem Kälteeinbruch mit Dauerregen abgelöst. Interessante Vogelbeobachtungen liessen nicht lange auf sicht warten, so wie dies bei solchen Wetterumschlägen sehr oft der Fall ist. Am 01.05.10 wurden auf dem Zellersee bei Moos 6 Weissflügel-Seeschwalben entdeckt, 3 Säbelschnäbler waren weiterhin an der Radolfzeller Aachmündung zu sehen und im Ermatingerbecken rasteten über 150 Kampfläufer, 1 Seeregenpfeifer, gegen 50 Bruchwasserläufer und 4 Küstenseeschwalben*. Interessante Limikolenzahlen wurden auch aus dem Eriskircher Ried gemeldet, z. B. 2 Säbelschnäbler und 5 Temminckstrandläufer. Aus dem Vorarlberger Rheindelta gab es bereits am 29.04.10, also am Tag vor dem Wetterumschwung, interessante Beobachtungen mit z.B. 1 Wiesenweihe, 1 Fischadler, 1 Kiebitzregenpfeifer, 7 Weissbartseeschwalben, 1 Raubseeschwalbe, ~6 Rotkehlpieper und gegen 80 Schafstelzen, dann am 01.05.10 ~100 (!) rastende Steinschmätzer, ~200 Schafstelzen, 2 Temminckstrandläufer, 1 Raubseeschwalbe, 2 Weissbartseeschwalben und 7 Rotkehlpieper.

Grünschenkel, 29.4.10, Rheindelta (Foto: S. Trösch)

Heute 02.05.10 bei Dauerregen und Temperaturen um 10°C waren die 3 Säbelschnäbler an der Radolfzeller Aachmündung immer noch anwsesend, im Ermatinger Becken ruhten mind. 72 Zwergmöwen (60 ad. + 12 2Y) auf dem Schlick und in den Riedwiesen suchten 22 Braunkehlchen auf einer Viehweide nach Nahrung (Beobachtungsangaben aus meinem persönlichen Tagebuch und aus www.ornitho.ch, Meldungen mit einem * vorbehaltlich der Anerkennung durch die zuständige Avifaun. Kommission).


Krauskopfpelikan wieder im Rheindelta

Krauskopfpelikan, 20.04.2010, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Der am 10.04.2010 durch Hubert Salzgeber im Vorarlberger Rheindelta entdeckte Krauskopfpelikan kam nach einer “Ehrenrunde” am Klingnauer Stausee (Schweiz, Kanton Aargau) am 12./13.04.2010 und einem kurzen Zwischenhalt am 19.04.2010 an der Radolfzeller Aachmündung / Moos D heute 20.04.2010 wieder an der Ort der Entdeckung zurück. Bei regnerischem Wetter hielt sich der Vogel bei den Pallisaden am Rheinspitz / Wetterwinkel auf (siehe Fotos von Stephan Trösch). Wohin es den Pelikan wohl noch ziehen wird?

[Nachträge vom 26.04.2010] Der Krauskopfpelikan scheint sich weiterhin im Vorarlberger Rheindelta aufzuhalten. Die weiteren Beobachtungsdaten sind: 21.04.2010, Rheinspitz (Stefan Werner) und 25.04.2010, Fussacher Bucht (Uwe Peting, Brigitte Weinert).

Krauskopfpelikan, 20.04.2010, Rheindelta (Foto S. Trösch)

Rheinmündung, 20.04.2010 (Foto S. Trösch)

Bei schönem Frühlingswetter (trotz Bewölkung und Schauerneigung) und angenehmen Temperaturen genoss ich den Tag im Vorarlberger Rheindelta. Rund 40km radelte ich mit dem Bike durch das Gebiet und erlebte einmal mehr die Vorteile dieser Fortbewegung. Ich startete um 06:00h beim Schleienloch und bis um 09:00h war ich an der Rheinmündung auf der rechten Dammseite bei Km 94.5. Ein Brachpieper flog rufend auf und insgesamt gegen 40 Schafstelzen waren zu sehen. An Limikolen lediglich 12 Grünschenkel und 2 Sandregenpfeifer. 2 Rohrweihen zogen frühmorgens über den See, am Nachmittag dann noch eine beim Rohrspitz. Danach besuchte ich die Fussacher Bucht beim “Hörnle”, wo interessanterweise keine Weissbart- und Trauerseeschwalben zu sehen waren (am 19.4.10 bei Moos 6 Weissbartseeschwalben und im Ermatinger Becken 7 Ind.). Bei der Lagune ein Trupp von rund 50 Schafstelzen (M.f.flava), darunter auch eine M.f.thunbergi und eine “Maskenstelze” M.f. feldegg. Am Schilfrand zeigte sich ein Tüpfelsumpfhuhn und eine Wasserralle. Erste Teichrohrsänger sangen verhalten. Über Mittag beim Rohrspitzgrund / Glashaus eine uferlängs ziehende Wiesenweihe und im Höchster Ried ein erster Baumfalke. Fitis in den Riedgebieten recht zahlreich, mindestens 4 Kuckucke singend und im Wetterwinkel 16 Samtenten und sogar 2 Prachttaucher. Weitere Beobachtungen wie immer unter www.ornitho.ch.


Ein Krauskopfpelikan im Vorarlberger Rheindelta

Krauskopfpelikan - 2010-04-10 Rheindelta (Foto: © Hubert Salzgeber)

Am 10.04.2010 wurde um 14:00 Uhr durch Hubert Salzgeber im Vorarlberger Rheindelta beim Rheinspitz / Wetterwinkel ein Krauskopfpelikan Pelecanus crispus entdeckt. Wohl derselbe Vogel wurde um 15:20 Uhr von H.P. Wächter am Rheinspitz gesehen (Meldung in www.ornitho.ch als unbest. graue Gans mit Kommentar “Pelikan”. Der Krauskopfpelikan ist erst seit 12.4.10 in der Artenliste von ornitho.ch integriert). Der Vogel hielt sich danach in der Fussacher Bucht und gegen Abend ruhend auf der Sandbank beim Rohrspitz auf, wo er von weiteren lokalen Ornithologen beobachtet werden konnte. Diese in Südosteuropa und und Kleinasien beheimatete grösste Pelikanart Europas wurde 2006 in Deutschland nachgewiesen und Ende Februar 2010 zum ersten Mal in Österreich (Quelle: Club 300 Austria). Sollte es sich bei der jüngsten Beobachtung ebenfalls um einen Wildvogel handeln, wäre dies neben dem zweiten Nachweis in Österreich der erste gesicherte im Bodenseegebiet. Am 11.04.2010 wurde der seltene Gast im Rheindelta nicht mehr gesehen. Es ist durchaus möglich, dass er an anderen Orten am Bodensee (z. B. Ermatinger Becken) auftauchen kann. Für die Schweiz liegen noch keine Nachweise des Krauskopfpelikans vor. [Kleine Ergänzungen/Nachträge am 12.4.10 um 15:19h].

Krauskopfpelikan, Klingnauer Stausee, 13.04.2010 (Foto: P. Donini)

Krauskopfpelikan, Klingnauer Stausee, 13.04.2010 (Foto: P. Donini)

[Artikel-Nachtrag vom 13.04.2010, 13:40h] Der Rospelikan hält sich seit 12.04.10 auf dem Klingnauer Stausee AG auf und wurde auch am 13.04.10 gesehen. Gemäss Meldungen in ornitho.ch ist der Vogel nicht beringt, so dass es sich um einen Wildvogel handeln könnte.


Morgenstimmung bei Moos mit Fischadler & Co.

Blick von Moos auf die Insel Reichenau und die Allgäuer Alpen/Vorarlberge am 27.03.2010 (Foto S. Trösch)

Der Temperatursturz der letzten Tage von 22°C auf rund 7°C zeigte an, dass sich der Winter nur ungern verabschieden will. Bei frischen Temperaturen und wechselhafter Witterung mit Sonne und Regentropfen heute Samstagmorgen, 27.03.2010, beobachtete ich wie so oft auf dem Bootssteg bei Moos / Radolfzeller Aachmündung und genoss die wunderschöne Stimmung. Auf dem Bootssteg empfingen mich um 07:20h etwa 20 auf dem Geländer sitzende Rauchschwalben, die später dann über dem Wasser nach Insekten jagten. Schmelzwasser und Regen der letzten Tage hatte den Bodenseewasserstand um rund 20cm ansteigen lassen, was sich im Gebiet an der Aachmündung mit geschrumpfter Sandbank und schmalerem Schlickstreifen vor dem Schilfrand niederschlug (Bodensee-Pegel Konstanz bei 293cm). Das Blaukehlchen zeigte sich heute Vormittag nicht, vielmehr waren es etwa 8 Rohrammern und rund 10 Zilpzalpe, die sich in dieser Zone aufhielten. Auf der Sandbank war eine kleine Limikolenparade mit 7 Alpenstrandläufern, 6 Kiebitzen, 4 Kampfläufern, 3 Flussregenpfeifern (z. T. balzend) und 4 Grossen Brachvögeln zu sehen, ein Silberreiher sass stoisch am Schilfrand und unweit davon zeigte sich erneut ein männlicher Fasan. Das wiederholte Absuchen des Horizontes nach ziehenden Vögeln wurde mit der Entdeckung eines um 08:50 Uhr durchziehenden Fischadlers “belohnt”. Er zog tief über das Gebiet und passierte Radolfzell in Richtung der Halbinsel Mettnau. Weiterhin auffällig ist der grosse Trupp Schwarzhalstaucher (heute mind. 122 Ind.), mit vielen balzenden Paaren. Ferner ist der junge Zwergschwan immer noch anwesend. Er hat den Abzug der im Ermatinger Becken überwinternder Familie offenbar verpasst oder scheint geschwächt zu sein. Ob er bei Moos übersommern wird? Neben diesem vielfältigen Vogelgeschehen mit über 45 beobachteten Arten war die landschaftliche Stimmung ebenso beeindruckend, indem die ungewohnt und föhnbedingt sehr nahe liegenden Allgäuer Alpen (wahrscheinlich) mit der Insel Reichenau wie verschmelzt erschienen.

Fischadler Meldungen März 2010 (Quelle: ornitho.ch)

Der Fischadler kann auf dem Heimzug ab Mitte März beobachtet werden, mit einem Gipfel in der ersten Aprilhälfte und einem bis in den Mai hinein andauernden Zug. Aus dem Bodenseegebiet liegen aus den vergangenen Jahren sogar ein paar Juni-Nachweise vor.

Die nebenstehende Karte zeigt die bisher auf dem Heimzug 2010 beobachteten Fischadler in der Schweiz (Quelle: www.ornitho.ch).

Fischadler, ziehend, 06.04.2009, Schaffhausen (Foto M. Roost)


Steppenmöwen am Bodensee

Steppenmöwe, adult, 18.01.09, Romanshorn (S. Trösch)

Die Steppenmöwe Larus cachinnans wurde in der Schweiz 1997 zum ersten Mal nachgewiesen. Sie gleicht der in der Schweiz verbreitet auftretenden Mittelmeermöwe Larus michahellis, unterscheidet sich aber mit strukturellen Merkmalen. Der winterliche Einflug der im Osten beheimateten Steppenmöwe bei uns beginnt mit einzelnen Individuen im Herbst, meist aber mit einem markanten Schub Mitte/Ende Dezember. Interessanterweise konzentrierft sich das winterliche Vorkommen am Bodensee, während sie z. B. in der übrigen Schweiz nur an wenigen Stellen, dabei auch in kleinerer Zahl erscheint. Am Bodensee ist die Steppenmöwe regelmässig in grösserer Zahl im Vorarlberger Rheindelta, im Eriskircher Ried (Rotachmündung), gelegentlich im Ermatinger Becken und v. a. in der Steinacher Bucht (Arbon-Steinach) zu beobachten. Dort sind regelmässig Ansammlungen von 20- 50 Ind. zu sehen. Möglicherweise profitieren diese Vögel, neben den ebenfalls häufigen Mittelmeer-, Lach- und Sturmmöwen von Fischereiabfällen, die auf steinacher Seite ausgelegt werden.

Winterverbreitung 2009/10 der Steppenmöwe in der Schweiz (Quelle: www.ornitho.ch)


Erstnachweis des Orpheusspötters im Kanton Schaffhausen

Am 28.06.09 entdeckte ich bei einem spontanen Besuch der Kiesgrube Wasserfallen in Hallau SH einen singenden Orpheusspötter. Es konnten sowohl Foto- als auch Audiobelege gemacht werden. Die sich von Spanien und Frankreich langsam gegen Osten ausbreitende Art kommt zunehmend in der Westschweiz und im Wallis vor und hat nun auch den nördlichsten Zipfel der Schweiz erreicht. Für den Kanton Schaffhausen bedeutet dies den Erstnachweis.

Kiesgrube Wasserfallen Hallau SH am 28.06.09

Orpheusspötter, 28.06.2009, Hallau SH (Foto S. Trösch)


Schlagschwirl bei D-Möggingen

Seit 09.06.09 singt in einer von Weidenbüschen und Bäumen umgebenen dichten Krautfläche bei Möggingen (Mindelsee) ein Schlagschwirl. Der faszinierende Gesang dieses seltenen Gastes ist von weitem zu hören.


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