Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet Nr. 203 erschienen
Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) hat ihren 203. Rundbrief herausgegeben. Auf 24 Seiten werden die wichtigsten Beobachtungen aus dem vergangenen Herbst 2011 ausführlich kommentiert, unterlegt mit einigen schönen Vogelfotos aus dem Bodenseegebiet. Schwerpunkt des Rundbriefs ist zum einen der auffällige Einflug von Raubmöwen am Bodensee, mit u.a. 7 Falkenraubmöwen, zum anderen der spektakuläre Kranichzug im Bodenseegebiet mit bis zu 178 Kranichen. Ein ausführlicher Bericht über den Bruterfolg der Weissstörche zeigt, dass dieser elegante Vogel weiterhin Aufwind hat und sich am westlichen Bodensee und im Kanton Thurgau wohl fühlt. In dieser Rundbriefausgabe sind zudem alle Referate und Berichte der Jahresversammlung 2011 der OAB zusammengefasst aufgeführt. Der neue Rundbrief kann nachstehend heruntergeladen werden.
↓↓ OR 203 Herbst 2011 (pdf-Datei, 3,1 Mb)
Bodensee: kaum Rastplätze für ziehende Limikolen
Vom Freitag, 13.08. bis Sonntag, 15.08.2010 erlebte ich wieder einmal eine Rheindeltaexkursion vom Feinsten. Die Wetterentwicklung mit einem Mix aus Sonne und stärkeren Regenschauern, insbesondere vom Samstag auf Sonntag, liess einen stärkeren Tageszug bei Kleinvögeln und Limikolen erwarten. Allerdings stand der Wasserstand des Bodensees auf einer Höhe, wo es in allen Seeteilen kaum Rastplätze mit Schlick- und Sandflächen gab. Mit der Pegelmarke von 440cm (Konstanz 15.08.2010) lag der Wasserstand rund einen halben Meter über dem langjährigen Mittel. Am ehesten wären noch im Vorarlberger Rheindelta Rastplätze zu erwarten gewesen, da z. B. das Ermatinger Becken (Untersee) bereits ab einer Pegelmarke von etwa 340cm keine freien Schlickflächen mehr hat, im Rheindelta ab etwa 420cm. Dort stand das Vorland beim Rheinkanal unter Wasser, geeignet für Wasserläufer, nicht aber für Strandläufer und andere.
Eine sorgfältige Begehung des Sanddeltas (zusammen mit F. Ammann, B. Bürgi und I. Haffter) von rund sechs Stunden am Samstagvormittag brachte über 50 Vogelarten hervor. Auffällig die rund 8 Klappergrasmücken, welche durch ihre Warnrufe in Büschen auf sich aufmerksam machten. Neben sehr vielen Teichrohrsängern, Zilpzalpen und einzelnen Fitissen zeigte sich in der Lagune auch ein Schilfrohrsänger. Prächtig präsentierten sich zwei Zwergdommeln (♂ und ♀) am Schilfrand und zuvor flog ein immaturer Nachtreiher zum Sanddelta. Neben einem Rotschenkel, 2 Grünschenkel, Wald- und Bruchwasserläufer war dann ein Steinwälzer auf einem Seeschwalbenbrutloss in der Lagune ein Lichtblick an diesem sonnigen Tag. Auf dem Weg zurück überraschten 3 Raubseeschwalben, die um die Mittagszeit dem Rheinkanal folgend Richtung Süden flogen.
In der Nacht auf Sonntag gab es überall verbreitet Regen; es wurde gebietsweise vor hochgehenden Bächen und Flüssen, teilweise sogar vor Überschwemmungen gewarnt. Im östlichen Bodenseegebiet schien dies nicht der Fall gewesen zu sein. Der Sonntagmorgen zeigte sich bedeckt und regnerisch, als ich mit dem Fahrrad bereits um 06:30 Uhr dem linken Rheindamm entlang radelte. Die morgendliche Frische – allerdings noch ohne Kaffee im Bauch – tat gut und ich hatte ein gutes Gefühl für diesen Tag. Der Steinwälzer war immer noch in der Lagune zu sehen und schon hörte ich von weitem Grünschenkel rufen. Um 06:50 Uhr kam ein Trupp (8 Ind.) von der Rheinmündung her angeflogen, darunter waren auch ein Rotschenkel, 2♂ Kampfläufer und wie sich später überraschend zeigte auch eine Pfuhlschnepfe. Lange kreisten die Limikolen im Gebiet auf der Suche nach einem günstigen Landeplatz. Um 06:55 Uhr hörte ich die Rufe von Sandregenpfeifern und sah alsbald eine Gruppe von 12 Ind. dem Rheinkanal entlang südwärts fliegen. Neben Waldwasser- und einer Gruppe Bruchwasserläufern, einer Bekassine und einem überhinfliegenden Dunklen Wasserläufer freute ich mich über 11 Alpenstrandläufer, die im Gebiet auftauchten und um 08:20 Uhr dann v. a. über 5 hoch fliegende und rufende Kiebitzregenpfeifer (um 11:45 Uhr dann nochmals einer). Ich war restlos begeistert, an diesem trüben Morgen 14 Limikolenarten beobachten zu können.
Nach einem stärkenden Frühstück in Höchst fuhr ich mich dem Fahrrad vom Schleienloch den rechten Damm vor bis Km 93.6. Dort war Schluss, weil der Wasserstand die seeseitige kleine Lagune mit dem Rheinkanal verband. Die Furt war nur etwa 30cm tief, doch wollte ich die an der Mündung ruhenden Möwen nicht stören. Mittlerweile hatte der Wind von SE auf SW gedreht und frischte mit böigen 4-6 Beaufort auf. Ich stand ganz vorne bei der Furt, hörte wiederholt Grünschenkel, gelegentlich flitzte ein Alpenstrandläufer und ein Sandregenpfeifer vorbei. Von Norden flogen 4 weitere Grünschenkel an, einzelne Bruchwasserläufer und auch 2 Regenbrachvögel. Plötzlich flog eine Raubseeschwalbe fast unbemerkt an mir vorbei, ihr folgten noch zwei andere, später noch ein 4. Ind. Gelegentlich jagten sie am Rheinkanal oder seeseits in der kleinen Lagune, wiederholt ruhten sie unter einem Trupp Mittelmeermöwen an der Rheinmündung. Der SW-Wind schien an Stärke zuzulegen und an den Hängen zwischen Walzenhausen und Heiden sah es bedrohlich dunkel aus. Es blieb bei kurzen Schauern.
Plötzlich tauchte eine Gruppe mit rund 30 Trauerseeschwalben auf, die um 13:10 Uhr von Westen angeflogen kamen und Richtung Bregenzer Bucht abdrehten. Eine knappe Stunde später flogen auf einmal rund 150 Trauerseeschwalben in mehreren “Wellen” von Norden an und zogen über den Rheinkanal Richtung Fussacher Bucht. Um 15:30 Uhr beendete ich meine dreitägige Rheindeltaexkursion und freute mich über das Erlebte und Gesehene (z. B. 16 Limikolenarten). Auf dem Heimweg sah ich bei Güttingen noch 4 juvenile Schwarzkopfmöwen. Weitere Beobachtungen unter www.ornitho.ch.
4. Brutvogelkartierung im Bodenseegebiet angelaufen
Nach 1980-1981, 1990-1992 und 2000-2002 werden in den Jahren 2010/2011 zum vierten Mal im gesamten Bodenseegebiet auf rund 1200 km² die Brutvögel kartiert. Unter der aktiven Mitwirkung von vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) ist jetzt Ende März mit der Erfassung von singenden Vögeln begonnen worden, mit weiteren vier Begehungen/Erfassungen bis Ende Mai/anfangs Juni. Die Methodik basiert auf der Erfassung aller revieranzeigenden Vögel innerhalb eines 2x2km grossen Quadrates (Linientaxierung), in dem nach fünf Kartierungsgängen (März-Mai) alle Biotope und rund 50% der Gesamtfläche von 4 km² erfasst worden sind. Der Bestand jeder registrierten Vogelart wird danach auf die Gesamtfläche hochgerechnet, wobei auf die unterschiedlichen Reviergrössen, das relative Vorkommen in Biotopen und die Gesangsintensität der einzelnen Arten geachtet werden muss.
Die Ergebnisse der Kartierungen 1980-81 und 1990-92 wurden in den Avifaunen “Die Vögel des Bodenseegebietes” (SCHUSTER et al. 1983, und HEINE et al. 1998/1999) veröffentlicht. Die Ergebnisse der letzten Kartierung in den Jahren 2000-02 mit der Auswertung von über 150 Brutvogelarten wurde in einem 167-seitigen pdf-Dokument auf der Website der OAB veröffentlicht und kann am Ende dieses Artikels heruntergeladen werden.
Nachstehend die Ergebnisse der Kartierung 2000-2002 von vier ausgewählten Arten:
- Feldlerche
- Haussperling
- Mönchsgrasmücke
- Waldlaubsänger
Fazit ist, dass sich die Langstreckenzieher (wie z. B. Waldlaubsänger, Fitis, Gelbspötter, Feldschwirl) weiterhin aus dem Bodenseegebiet zurückziehen, Offenlandvögel weiterhin z. T. dramatische Bestandeseinbussen erlitten und Bodenbrüter (wie z. B. Feldlerche und Fitis) in den meisten Fällen rückläufige Bestände aufweisen. Andere Arten, wie z. B. die Mönchsgrasmücke (Kurzstreckenzieher, Baumbrüter) haben signifikant zugenommen, während die Gartengrasmücke (Langstreckenzieher, Baumbrüter) rückläufig ist. Überraschend ist ferner der drastische Bestandesverlust beim Haussperling, der bis anhin häufigsten Vogelart im Bodenseegebiet.
Die 4. Brutvogelkartierung wird nun – nach zehn Jahren wieder – aufzeigen, inwiefern und bei welchen Arten Veränderungen eingetreten sind.
↓↓ Brutvogelatlas Bodensee 2000 (pdf-Datei, 4.91 Mb)
Schneeflucht am Bodensee mit vielen Drosseln
Am 06.03.10 schneite es am Vormittag in weiten Teilen des Bodenseegebietes und der Schweiz während Stunden. So schnell dieser Wintereinbruch eintrat, so rasch wechselte er am späten Vormittag wieder in recht sonniges, aber immer noch abwechslungsreiches Wetter. Nur Minuten nach Ende des Schneefalles setzte vielerorts eine Massenbewegung von Drosseln ein, die in westliche Richtung zogen (Umkehrzug), allen voran Singdrosseln, aber auch Wacholder-, Mistel- und Rotdrosseln, so gesehen in der Region Schaffhausen und in den Feldfluren südlich Singen.
Inmitten dieser spektakulären Winterfluchtbewegung hielten sich am 06.03.2010 zwischen Bohlingen und Moos (westlicher Bodensee) bis 48 Goldregenpfeifer auf den Wiesen auf, ferner auch bis zu 300 rastende Kiebitze, am 07.03.2010 sogar 53 Goldregenpfeifer und mehr als 450 nach West ziehende Kiebitze. Goldregenpfeifer sind auf ihrem Zug (Oktober/November, Februar/März) meist nur in einzelnen oder in kleinen Gruppen anzutreffen, zudem gerne mit Kiebitzen vergesellschaftet. Truppgrössen wie im vorliegenden Falle sind selten und stehen mit den besonderen Wetterverhältnissen (Zugstau) im Zusammenhang.
Ornithologischer Rundbrief für das Bodenseegebiet Nr. 194 erschienen
Soeben hat die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee ihren 194. Rundbrief herausgegeben. Der Bericht behandelt Beobachtungen aus dem Sommer und der Brutzeit 2009. Es wird speziell auf die seit einigen Jahren im Vorarlberger Rheindelta laufenden Vergrämungsaktionen gegen die wachsende Brutpolpulation der Kormorane eingegangen. Ein vorläufiger Höhepunkt ist der Abschuss von 130 Kormoranen während der Brutzeit 2009! Neben diesem betrüblichen Ereignis wirken die guten Bruterfolge von Kiebitz, Grossem Brachvogel, Wachtelkönig und Braunkehlchen wie ein Lichtblick im seit 20 Jahren andauernden Niedergang der Wiesenbrüterarten. Der Rundbrief – wie auch ältere Ausgaben – liegt auf der Homepage der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee zum herunterladen bereit.
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↓↓ OR 194 Brutzeit 2009 (pdf, 1.8 mb)

























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