Kuhreiher als auffällige Sommergäste im Vorarlberger Rheindelta
Seit dem 15.06.2011 (1 Ind., D. Hollenstein) halten sich bis zu 6 Kuhreiher Bubulcus ibis im Vorarlberger Rheindelta auf. Die Anzahl der fast täglich beobachteten Vögel schwankt zwischen einem und mehreren Individuen, die sich vornehmlich im Bereich des Fussacher Rückhaltebeckens aufhalten. Dieser Ort ist Brutplatz für Flussseeschwalben und wichtiger Ruheplatz für mehrere Hundert Grosse Brachvögel. Der östliche Bereich gehört zum Bauernhof der Familie Kuster, die ihre Kühe in einem eingezäunten Bereich weiden lassen. Ihrem Namen gerecht werdend halten sich die Reiher gerne zwischen den Kühen auf und picken Fliegen von deren Fell. Dies sorgt gelegentlich für Irritationen beim Vieh, die sich die Anwesenheit dieser schmucken Reiher nicht gewohnt sind. Die Reiher können auch im hohen Gras auf der Jagd nach Grossinsekten beobachtet werden.
Im Bodenseegebiet zählt der Kuhreiher – nach dem Erstnachweis von 1974 (SCHUSTER et al. 1983, Die Vögel des Bodenseegebietes) – zu den sehr seltenen, sporadisch auftretenden Gästen, v. a. im April/Mai und von Juni bis August (HEINE et al. 1999, Die Vögel des Bodenseegebietes, S. 214). In diesem Jahr gab es bereits mehrere Nachweise am Bodensee, so z. B. am 19.04.2011 im Eriskircher Ried (4 Ind., G. Knötzsch) oder überraschenderweise am Lengwilerweiher bei Kreuzlingen TG (1 Ind. am 26./27.04.2011, S. Muff und S. Werner). Angaben aus www.ornitho.ch.
In der Schweiz wurde der Kuhreiher 1974 zum ersten Mal nachgewiesengab, die Art zählt heute zu den alljährlichen Gastvögeln, insbesondere in der westlichen Landeshälfte (MAUMARY et al. 2007, Die Vögel der Schweiz, S. 111). In diesem Jahr gab es schon etliche Beobachtungen, was in der nebenstehenden Karte aus www.ornitho.ch zum Ausdruck kommt.
In Österreich gibt es im Jahre 2011 bisher 19 anerkannte Nachweise des Kuhreihers, die Wildvögel betreffen. Die meisten Beobachtungen 2011 stammen aus dem Burgenland (Seewinkel, 7 Nachweise) und Vorarlberg (Rheindelta, 9 Nachweise). Da die Art auch in vielen mitteleuropäischen Zoos gehalten wird, muss die Frage der Herkunft selbst bei unberingten Vögeln offen bleiben. Im vorliegenden Fall der 6 Individuen im Vorarlberger Rheindelta würde es sich bei Anerkennung um den bisher grössten Trupp in Österreich handeln, neben den 4 Ind. aus Salzburg (2008, 2009), die als Gefangenschaftsflüchtlinge eingestuft wurden (E. Albegger, briefl.).
Nachstehende Fotos mit Digiscoping vom Polderdamm aus. Vergrösserung durch anklicken!
Kuhreiher, 20.07.2011, Vorarlberger Rheindelta, bei starkem Westwind (Videoclip, S. Trösch) –> HD Qualität einschalten und vergrössern!
Notizen zum Vorkommen des Orpheusspötters in der Schweiz und im Bodenseegebiet
In der Avifauna der Schweiz (WINKLER, 1999) wird der Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) als ein “in Ausbreitung befindlicher Sommervogel” beschrieben, mit Verbreitungsschwerpunkten im Süden der Schweiz (Kantone Tessin, Wallis und Genf). Der Erstnachweis einer Brut gelang 1960 im Tessin, ihm folgte das Wallis (1970) und der Waadt (1983). Im Dreiländereck bei Basel zeichnete sich seit ab den 1980er Jahren ebenfalls ein regelmässiges Vorkommen ab, während aus der Ostschweiz damals nur sporadische Frühjahrsbeobachtungen vorlagen (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007).
Im Bodenseegebiet wurde der Orpheusspötter erstmals 1983 nachgewiesen (Vorarlberger Rheindelta), danach bis 1998 nicht alljährlich während dem Frühjahr und Sommer (HEINE et al., Die Vögel des Bodenseegebietes, 1999).
Gemäss den “Rundbriefen für das Bodenseegebiet” Nr. 153 – 199 der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee wurde der Orpheusspötter ab 1999 im Bodenseegebiet wie folgt festgestellt (vorbehältlich der Anerkennung durch die zuständigen avifaunistischen Kommissionen, sofern nicht schon bearbeitet oder veröffentlicht):
1999 – 2 Nachweise im Juni (Radolfzeller Aachried und Moos)
2000 – 1 Nachweis im Juni bei Oberteuringen
2001 – 2 Nachweise im Mai (Rielasingen und Singen)
2002 – Einflug mit Beobachtungen an 10 Orten und Brutverdacht
2003 – 2 Nachweise im Rheindelta
2004 – 2 Nachweise im Mai/Juni (Hegau und Rheindelta, dort sogar 2 Ind.)
2005 – 17 Nachweise im Mai/Juni an 8 Orten, u. a. 2 Ind. im Rheindelta
2006 – 5 Nachweise, u. a. 3 Sänger im Rheindelta
2007 – keine Nachweise
2008 – keine Nachweise
2009 – 2 Nachweise im Rheindelta, zudem erster Nachweise im Kanton Schaffhausen (Blogartikel)
2010 – 1 Nachweis aus dem Raum Markelfingen
2011 – Bisher Nachweise vom Rheindelta, Weitenried (Steisslingen), Mindelsee, von Ravensburg-Oberzell, aus dem Hegau sowie ein 2. Nachweis im Kanton Schaffhausen.
Die dezent spürbar laufende Expansion des auf der iberischen Halbinsel, Frankreich, Italien und Nordafrika verbreitet vorkommenden Orpheusspötters in östliche Richtung scheint parallel mit der Klimaerwärmung auch zunehmend den Gelbspötter aus Mitteleuropa (wo er seine westliche Verbreitungsgrenze hat) zu verdrängen. In “Die Vögel der Schweiz” (MAUMARY et al., 2007) wird der Gelbspötter “anfangs des 20. Jahrhunderts noch als Charaktervogel der Gärten, Obstanlagen und des buschreichen Geländes” angenommen. Die Verbreitungskarte des Gelbspötters zeigt für die Schweiz eine Konzentration der Beobachtungen auf die Ostschweiz, während der Orpheusspötters bereits die West- und Südschweiz zu besiedeln begann. Auf www.ornitho.ch können die aktuellen Beobachtungen in der Schweiz für den Juni 2011 verfolgt werden (siehe nachstehende Kartenextrakte aus ornitho.ch).
Sumpfrohrsänger Acrocephalus palustris, 11.06.2011, Vorarlberger Rheindelta/Rohrspitzgrund (Video S. Trösch). Es wird empfohlen, zur besseren Videoqualität den HD-Modus anzuwählen. [update 18.06.2011]
Nach einer Diskussion (u. a. im Club300 Austria) mit erfahrenen Ornithologen handelt es sich beim Vogel im Videoclip um einen Sumpfrohrsänger und NICHT Orpheusspötter, wie zunächst an dieser Stelle beschrieben.
Die nachstehende Begründung (unter Anfügung einer weiteren Aufnahme des betreffenden Vogels von Markus Tobler vom 10.06.2011 an der gleichen Stelle) stammt vom schweizer Ornithologen Paul Mosimann-Kampe:
«Es handelt sich um einen Sumpfrohrsänger und zwar aus folgenden Gründen:
Struktur: die HS-Projektion ist zu lang und insbesondere die Flügelformel ist diejenige eines langflügligen Rohrsängers und keinesfalls die eines OS. Es ragen min 6, wohl eher 7 HS-Spitzen über die Schirmfedern hinaus (bei OS 5). Das Schwanzende ist stark abgerundet (bei OS gerade). Die Unterschwanzdecken sind lang, über die Hälfte des sichtbaren Unterschwanzes. Färbung: verschiedene Details, die auf SRS und nicht auf OS passen, z.B. Andeutung eines dunklen Zügelstreifs, helle HS-Spitzen und deutlich hell gesäumte Schirmfedern, komplette Absenz von Gelb in Gesicht und Unterseite, Beinfarbe. Gesang: repetitiv mit erkennbaren Imitationen und wechselnder Geschwindigkeit, es fehlt das hetzende, quirlige Geschwätz und die nach meiner Erfahrung immer irgendwie eingeflochtenen zeternden Spatzentöne des OS.» [ergänzender Artikelbeitrag vom 18.06.2011].
Das nachstehende Foto mit Audioaufnahme war bis zum 19.06.11 auf der rechten Spalte positioniert und wird – angesichts der Bestimmungsthematik – neu hier eingefügt.

Sumpfrohrsänger, und nicht wie ursprünglich angegeben ein Orpheusspötter (Foto und nachstehende Audioaufnahme vom 05.06.2011, Rheindelta, S. Trösch).
Vorarlberger Rheindelta: Neue Einsichten in die Fussacher Bucht
Die ältere wie jüngere Ornithologen-Generation wird im Vorarlberger Rheindelta seit jeher eine geeignete Beobachtungsplattform vermisst haben. Und was angesichts der sensiblen Naturschutzsituation mit den verschiedensten Nutzungs- und Interessenkonflikten in diesem weitläufigen Gebiet kaum jemand für möglich gehalten hätte ist nun eingetroffen: in der inneren Fussacher Bucht (etwa 500m westlich des Schöpfwerkes Fussach) wurde in diesen Märztagen mit dem Bau eines Steges mit anschliessender Beobachtungsplattform begonnen. Die Arbeiten scheinen nahezu abgeschlossen. Am Tag der Foto- und Videoaufnahmen (16.03.2011) wurde mit Schilfmatten ein erster Sichtschutz angebracht. Weitere werden wohl noch folgen.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass diese neue Beobachtungseinrichtung an einem der besten Plätze im Rheindelta entstanden ist, gleichwohl auch in einem sensiblen Brutgebiet für die verschiedensten Schilfbewohner. Es sind deshalb alle Besucherinnen und Besucher dieser Plattform angehalten, die bestehenden Vorschriften zur Begehung der Schutzzonen im Rheindelta zu beachten. Die Plattform darf keinesfalls verlassen werden. Auch dürfen die Streuwiesen abseits des Steges und des Zuganges nicht betreten werden.
Allen Personen, Institutionen und lokalen Behörden, welche den Bau dieses Beobachtungssteges unterstützt, ermöglicht und finanziert haben, sei ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.
Vorarlberger Rheindelta: Neuer Beobachtungssteg in der inneren Fussacher Bucht
(Videoaufnahmen von S. Trösch am 16.03.2011)
Als die Dornbirner Ache noch durch Fussach floss
Wer ins Feld zieht um Vögel zu beobachten führt neben einem Bestimmungsbuch und Notizmaterial oft auch eine geografische Karte mit. Sie hilft der Orientierung im Gelände oder ist die Basis für Revierkartierungen. Topografische Karten zeigen im Laufe der Zeit auch die Veränderungen einer Landschaft auf, z. B. die Zersiedelung oder die Räumung wertvoller Biotope. Die Schweizerische Landestopografie (http://www.swisstopo.admin.ch ↑) ist weltweit bekannt für ihre genauen Karten, z. B. jene im Massstab 1:25’000, welche detailgetreu die Realität auf ein zusammengefaltetes Papier bringt. Die Ursprünge dieser kartografischen Qualität liegen im vorletzten Jahrhundert, als unter Leitung des schweizerischen Generals Henri Dufour ↑ zwischen 1845 und 1865 die «Topografischen Karte der Schweiz» bzw. die nach ihm benannten «Dufourkarten» entstanden. Sie basierten auf der Vermessung der Kantone und wurden im Massstab 1:25’000 und 1:50’000 (Alpen) herausgegeben. Ein Mitarbeiter von Henri Dufour, Hermann Siegfried ↑, brachte zwischen 1870 und 1922 den «Topografischen Atlas der Schweiz» heraus, welcher später als «Siegfriedkarte» bekannt wurde.
Die Schweizerische Bundesverwaltung ↑ bietet mit einem hervorragenden Kartografietool (http://map.geo.admin.ch ↑) die Möglichkeit an, die Schweiz in den verschiedensten Massstäben zu erkunden und darüber hinaus mit zahlreichen Zusatztools z. B. das Gewässernetz, die Bodenbedeckung, Grafiken zu Geologie, Natur und Wirtschaft usw. darzustellen. Die einzelnen Karten können ausgedruckt oder gleich als E-Mail verschickt werden.
Das beste Tool meines Erachtens ist jedoch die massstabgetreue Einbindung der Dufour- und Siegfriedkarten, welche mit einer stufenlosen Opazität ↑ über die heutigen Karten gelegt werden können. So sind im Handumdrehen Einblicke in unsere vergangene Landschaft um 1880 und 1890 möglich, mit direktem Vergleichen zu Heute, welche die massiven topografischen Veränderungen aufzeigen. Viele von uns Beobachterinnen und Beobachter kennen das Vorarlberger Rheindelta noch, als die Rheinmündung wenige hundert Meter nördlich des heutigen Parkplatzes war. Einige wenige unter uns mögen sich noch an die Zeit um Ende der 1950er Jahre erinnern, als das Harder Binnenbecken noch in Planung war und der Alpenrhein sein Delta ungehindert entstehen lassen konnte.
Die Karte des Vorarlberger Rheindeltas zeigt um 1880/1890 noch den Alpenrhein, wie er am Rheinspitz sein Mündungsgebiet hatte und die Dornbirner Ache ↑ noch durch Fussach ↑ floss! Im Jahre (1892-) 1900 erfolgte der «Fussacher Durchstich», mit einem in exakt nördlicher Richtung gelegten Kanal, an dessen östlicher Seite auch der Lauf der Dornbirner Ache gelegt wurde. Dort, wo heute der Alte Rhein nur noch als träge fliessender, mit Motorbooten und Jachten belegter Fluss erlebt wird, zeigt die Siegfriedkarte um 1880 einen kräftigen Strom mit natürlichen, im Wechsel entstandenen Kiesinseln!
Der Zugang zu den Dufour- und Siegfriedkarten ist wie folgt zu finden: In Spalte links auf www.map.geo.admin.ch ↑ wird in der Reihenfolge «Basisdaten» und dann «Geografische Bezeichnungen» gewählt (siehe Bild links). Dort lassen sich dann die gewünschten historischen Karten anwählen. Mit der Maus lässt sich die Opazität (Abdeckung) stufenlos verstellen.
Weiterführende Links zum Thema:
- Topografische Karte der Schweiz (Dufourkarte)
- Topografischer Altlas der Schweiz (Siegfriedkarte)
- Historische Karten bei Swiss Topo
- Fussacher- und Diepoldsauer Durchstich
Spornammern im Vorarlberger Rheindelta – Invasionsartiger Einflug in Europa
Die SPORNAMMER Calcarius lapponicus ist ein verbreiteter Brutvogel rund um den Nordpol, mit der Nominatform zwischen Südnorwegen und dem Mündungsgebiet der Kolyma (Russland) sowie mit vier Unterarten, z. B. C. l. subcalcaratus in Grönland und Nordkanada. Im europäischen Binnenland ist die Spornammer ein sehr seltener Durchzügler und Wintergast. In der Schweiz z. B. gab es bis in die jüngste Zeit etwa 30 Nachweise (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007). Aus dem Bodenseegebiet lagen bis Ende der 1990er Jahre 13 Beobachtungen vor, nahezu alle aus dem Vorarlberger Rheindelta (HEINE et al., die Vögel des Bodenseegebietes, 1999). Die Daten liegen ausnahmslos zwischen September und November.
Einem Kurzartikel in www.ornitho.ch vom 27.09.10 ist zu entnehmen, dass seit Ende August offenbar eine Invasion der Spornammer in Europa stattfindet, mit ungewöhnlich hohen Zahlen im Nordwesten, mit z. B. 120 Ind. am 31.08.10 auf Heimaey/Island, 185 Ind. am 01.09.10 bei Fair Isle/Shetland und etwa 30 Ind. am 16.09.10 auf Ouessant/Frankreich. Bereits 40 Ind. hätten Spanien erreicht.
Parallel mit dieser Entwicklung wurde am 18.09.10 im Vorarlberger Rheindelta im Mündungsgebiet des Rheins auf dem rechten Damm 1 Ind. entdeckt (M. & A. Breier, D. Hercigonja), tagsdarauf am 19.09.10 waren dort 2 Ind. zu sehen und am 26.09.10 hielten sich bereits 7 Ind. an gleicher Stelle auf (S. Werner, K. Varga, A. Schönenberger u. a.). Seither liegen fast durchgehend Beobachtungen von 1-3 Ind. vom rechten Rheindamm vor, am 29.09.10 waren 4 Ind. zu sehen (G. Segelbacher, S. Trösch, J. Ulmer u. a.). Bei diesen Individuen handelte es sich um ein Männchen und zwei Jungvögel. Die weitere Entwicklung ist abzuwarten. Eine Nachsuche in anderen günstigen Gebieten und Stellen dürfte sich im Moment lohnen. In der Zwischenzeit haben schon zahlreiche Beobachterinnen und Beobachter die Spornammern im Rheindelta aus nächster Nähe studieren können.
Bienenfresser als neuer Brutvogel im Kanton Schaffhausen und in Vorarlberg (A)
Der Bienenfresser Merops apiaster zählt seit 1991 zu den regelmässig brütenden Vögeln in der Schweiz. Bis ins Jahr 2004 wurden 12 Brutorte erfasst (MAUMARY et al., Die Vögel der Schweiz, 2007). Im Kanton Schaffhausen gab es bis anhin nur sehr wenige Einzelbeobachtungen von Durchzüglern. Im Sommer 2010 gelang nun der erste Brutnachweis. Im benachbarten Hegau, auf deutschem Boden, gab es früher schon vereinzelte Bienenfresser-Bruten, bzw. Brutversuche, so dass die schaffhauser Brut in einem günstigen Habitat kein Zufall ist. Nach 7 ostwärts ziehenden Bienenfressern am 05.06.10 im Klettgau, wurden an anderer Stelle im Kanton im Laufe des Juli mehrmals Einzelvögel gesehen. Bei einer gezielten Nachsuche wurde dann der Brutplatz entdeckt. Aus Schutzgründen wurden die Meldungen bis zum Ende der Brutzeit (22.08.10) nicht veröffentlicht. Drei adulte Vögel fütterten von Mitte Juli bis zum 21.08.10 intensiv an zwei Brutröhren. Am 22.08.10 wurden 7 Ind. (wahrscheinlich 3 ad. + 4 juvenile) über dem Brutgebiet fliegend gesehen, bzw. Richtung Süden abziehend.
Im österreichischen Bundesland Vorarlberg gab es im sommer 2010 auch den ersten Brutnachweis. Die Art ist bisher in Kärnten, im Burgenland, Wien, Nieder- und Oberösterreich als Brutvogel in kleineren Kolonien etabliert (E. Albegger, briefl.). Im Rheindelta wurden im Juni bis zu 15 Bienenfresser gesehen. An mehreren Stellen wurden Brutröhren vorangetrieben. Ein erster Brutplatz wurde im Juni aufgegeben und rund einen Kilometer entfernt entstanden neue Brutröhren. Nachdem der Brutverlauf bei mehreren Paaren günstig aussah, wurde der eine Brutplatz durch einen Bagger zerstört und der andere wurde im August wahrscheinlich von einem Fuchs ausgegraben, was leider das Aus bedeutete.
Die Zunahme der Bruten im mitteleuropäischen Binnenland erfolgt parallel mit der Klimaerwärmung, so dass an günstigen Orten (z. B. Trockengebiete im Hegau und Kanton Schaffhausen) wieder mit Brutansiedelungen zu rechnen ist.
Fotos und Videoaufnahmen entstanden mit Digiscoping aus einer unproblematischen Distanz von 50-100 Metern.
Bienenfresser, 17.08.2010, Kanton Schaffhausen
Video in Flickr von Stephan Trösch. Zu sehen ist eine Fütterung sowie drei flügge Jungvögel, ferner auch eine weibliche Goldammer in Röhrennähe. Empfehlung: Vollbild-Modus (4-Pfeile-Symbol rechts unten im Clip) sowie HD-Modus verwenden.
Bodensee: kaum Rastplätze für ziehende Limikolen
Vom Freitag, 13.08. bis Sonntag, 15.08.2010 erlebte ich wieder einmal eine Rheindeltaexkursion vom Feinsten. Die Wetterentwicklung mit einem Mix aus Sonne und stärkeren Regenschauern, insbesondere vom Samstag auf Sonntag, liess einen stärkeren Tageszug bei Kleinvögeln und Limikolen erwarten. Allerdings stand der Wasserstand des Bodensees auf einer Höhe, wo es in allen Seeteilen kaum Rastplätze mit Schlick- und Sandflächen gab. Mit der Pegelmarke von 440cm (Konstanz 15.08.2010) lag der Wasserstand rund einen halben Meter über dem langjährigen Mittel. Am ehesten wären noch im Vorarlberger Rheindelta Rastplätze zu erwarten gewesen, da z. B. das Ermatinger Becken (Untersee) bereits ab einer Pegelmarke von etwa 340cm keine freien Schlickflächen mehr hat, im Rheindelta ab etwa 420cm. Dort stand das Vorland beim Rheinkanal unter Wasser, geeignet für Wasserläufer, nicht aber für Strandläufer und andere.
Eine sorgfältige Begehung des Sanddeltas (zusammen mit F. Ammann, B. Bürgi und I. Haffter) von rund sechs Stunden am Samstagvormittag brachte über 50 Vogelarten hervor. Auffällig die rund 8 Klappergrasmücken, welche durch ihre Warnrufe in Büschen auf sich aufmerksam machten. Neben sehr vielen Teichrohrsängern, Zilpzalpen und einzelnen Fitissen zeigte sich in der Lagune auch ein Schilfrohrsänger. Prächtig präsentierten sich zwei Zwergdommeln (♂ und ♀) am Schilfrand und zuvor flog ein immaturer Nachtreiher zum Sanddelta. Neben einem Rotschenkel, 2 Grünschenkel, Wald- und Bruchwasserläufer war dann ein Steinwälzer auf einem Seeschwalbenbrutloss in der Lagune ein Lichtblick an diesem sonnigen Tag. Auf dem Weg zurück überraschten 3 Raubseeschwalben, die um die Mittagszeit dem Rheinkanal folgend Richtung Süden flogen.
In der Nacht auf Sonntag gab es überall verbreitet Regen; es wurde gebietsweise vor hochgehenden Bächen und Flüssen, teilweise sogar vor Überschwemmungen gewarnt. Im östlichen Bodenseegebiet schien dies nicht der Fall gewesen zu sein. Der Sonntagmorgen zeigte sich bedeckt und regnerisch, als ich mit dem Fahrrad bereits um 06:30 Uhr dem linken Rheindamm entlang radelte. Die morgendliche Frische – allerdings noch ohne Kaffee im Bauch – tat gut und ich hatte ein gutes Gefühl für diesen Tag. Der Steinwälzer war immer noch in der Lagune zu sehen und schon hörte ich von weitem Grünschenkel rufen. Um 06:50 Uhr kam ein Trupp (8 Ind.) von der Rheinmündung her angeflogen, darunter waren auch ein Rotschenkel, 2♂ Kampfläufer und wie sich später überraschend zeigte auch eine Pfuhlschnepfe. Lange kreisten die Limikolen im Gebiet auf der Suche nach einem günstigen Landeplatz. Um 06:55 Uhr hörte ich die Rufe von Sandregenpfeifern und sah alsbald eine Gruppe von 12 Ind. dem Rheinkanal entlang südwärts fliegen. Neben Waldwasser- und einer Gruppe Bruchwasserläufern, einer Bekassine und einem überhinfliegenden Dunklen Wasserläufer freute ich mich über 11 Alpenstrandläufer, die im Gebiet auftauchten und um 08:20 Uhr dann v. a. über 5 hoch fliegende und rufende Kiebitzregenpfeifer (um 11:45 Uhr dann nochmals einer). Ich war restlos begeistert, an diesem trüben Morgen 14 Limikolenarten beobachten zu können.
Nach einem stärkenden Frühstück in Höchst fuhr ich mich dem Fahrrad vom Schleienloch den rechten Damm vor bis Km 93.6. Dort war Schluss, weil der Wasserstand die seeseitige kleine Lagune mit dem Rheinkanal verband. Die Furt war nur etwa 30cm tief, doch wollte ich die an der Mündung ruhenden Möwen nicht stören. Mittlerweile hatte der Wind von SE auf SW gedreht und frischte mit böigen 4-6 Beaufort auf. Ich stand ganz vorne bei der Furt, hörte wiederholt Grünschenkel, gelegentlich flitzte ein Alpenstrandläufer und ein Sandregenpfeifer vorbei. Von Norden flogen 4 weitere Grünschenkel an, einzelne Bruchwasserläufer und auch 2 Regenbrachvögel. Plötzlich flog eine Raubseeschwalbe fast unbemerkt an mir vorbei, ihr folgten noch zwei andere, später noch ein 4. Ind. Gelegentlich jagten sie am Rheinkanal oder seeseits in der kleinen Lagune, wiederholt ruhten sie unter einem Trupp Mittelmeermöwen an der Rheinmündung. Der SW-Wind schien an Stärke zuzulegen und an den Hängen zwischen Walzenhausen und Heiden sah es bedrohlich dunkel aus. Es blieb bei kurzen Schauern.
Plötzlich tauchte eine Gruppe mit rund 30 Trauerseeschwalben auf, die um 13:10 Uhr von Westen angeflogen kamen und Richtung Bregenzer Bucht abdrehten. Eine knappe Stunde später flogen auf einmal rund 150 Trauerseeschwalben in mehreren “Wellen” von Norden an und zogen über den Rheinkanal Richtung Fussacher Bucht. Um 15:30 Uhr beendete ich meine dreitägige Rheindeltaexkursion und freute mich über das Erlebte und Gesehene (z. B. 16 Limikolenarten). Auf dem Heimweg sah ich bei Güttingen noch 4 juvenile Schwarzkopfmöwen. Weitere Beobachtungen unter www.ornitho.ch.
2. Rang für Bodensee-Team am 7. Birdrace Deutschland
Am Samstag, 09.05.2010, fand das 7. bundesweite Birdrace in Deutschland statt. Der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten organisierte Anlass mit 135 Teams wurde von den Iron Birden mit 162 beobachteten Arten in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Auf dem 2. Rang folgten – punktegleich mit dem Team Havelland - die Southernmost Lakers vom Bodensee. Diesem Team gehörten Stefan Werner, Hans-Günther Bauer und Stephan Trösch an. Sie beobachteten innerhalb von 24 Stunden 159 Vogelarten im Bodenseegebiet (Untersee, Hegau, Wollmatinger Ried, Seetaucherstrecke, Vorarlberger Rheindelta sowie im erweiterten Bodenseegebiet mit der Grenzregion Schaffhausen, Klettgau und den Randenhochflächen). Zu den Rosinen dieser sehr reichhaltigen Artenliste zählten u. a. Weissbartseeschwalbe, Weissflügelseeschwalbe, Wiesenweihe, Ortolan, Purpurreiher, Nachtreiher und Stelzenläufer. Das Wetter präsentierte sich an diesem Tag – inmitten von Regentagen – von seiner besten Seite und war mitverantwortlich für das sehr gute Ergebnis. Die Artenliste der Southernmost Lakers kann nachstehend heruntergeladen werden.
Krauskopfpelikan wieder im Rheindelta
Der am 10.04.2010 durch Hubert Salzgeber im Vorarlberger Rheindelta entdeckte Krauskopfpelikan kam nach einer “Ehrenrunde” am Klingnauer Stausee (Schweiz, Kanton Aargau) am 12./13.04.2010 und einem kurzen Zwischenhalt am 19.04.2010 an der Radolfzeller Aachmündung / Moos D heute 20.04.2010 wieder an der Ort der Entdeckung zurück. Bei regnerischem Wetter hielt sich der Vogel bei den Pallisaden am Rheinspitz / Wetterwinkel auf (siehe Fotos von Stephan Trösch). Wohin es den Pelikan wohl noch ziehen wird?
[Nachträge vom 26.04.2010] Der Krauskopfpelikan scheint sich weiterhin im Vorarlberger Rheindelta aufzuhalten. Die weiteren Beobachtungsdaten sind: 21.04.2010, Rheinspitz (Stefan Werner) und 25.04.2010, Fussacher Bucht (Uwe Peting, Brigitte Weinert).
Bei schönem Frühlingswetter (trotz Bewölkung und Schauerneigung) und angenehmen Temperaturen genoss ich den Tag im Vorarlberger Rheindelta. Rund 40km radelte ich mit dem Bike durch das Gebiet und erlebte einmal mehr die Vorteile dieser Fortbewegung. Ich startete um 06:00h beim Schleienloch und bis um 09:00h war ich an der Rheinmündung auf der rechten Dammseite bei Km 94.5. Ein Brachpieper flog rufend auf und insgesamt gegen 40 Schafstelzen waren zu sehen. An Limikolen lediglich 12 Grünschenkel und 2 Sandregenpfeifer. 2 Rohrweihen zogen frühmorgens über den See, am Nachmittag dann noch eine beim Rohrspitz. Danach besuchte ich die Fussacher Bucht beim “Hörnle”, wo interessanterweise keine Weissbart- und Trauerseeschwalben zu sehen waren (am 19.4.10 bei Moos 6 Weissbartseeschwalben und im Ermatinger Becken 7 Ind.). Bei der Lagune ein Trupp von rund 50 Schafstelzen (M.f.flava), darunter auch eine M.f.thunbergi und eine “Maskenstelze” M.f. feldegg. Am Schilfrand zeigte sich ein Tüpfelsumpfhuhn und eine Wasserralle. Erste Teichrohrsänger sangen verhalten. Über Mittag beim Rohrspitzgrund / Glashaus eine uferlängs ziehende Wiesenweihe und im Höchster Ried ein erster Baumfalke. Fitis in den Riedgebieten recht zahlreich, mindestens 4 Kuckucke singend und im Wetterwinkel 16 Samtenten und sogar 2 Prachttaucher. Weitere Beobachtungen wie immer unter www.ornitho.ch.
Ein Krauskopfpelikan im Vorarlberger Rheindelta
Am 10.04.2010 wurde um 14:00 Uhr durch Hubert Salzgeber im Vorarlberger Rheindelta beim Rheinspitz / Wetterwinkel ein Krauskopfpelikan Pelecanus crispus entdeckt. Wohl derselbe Vogel wurde um 15:20 Uhr von H.P. Wächter am Rheinspitz gesehen (Meldung in www.ornitho.ch als unbest. graue Gans mit Kommentar “Pelikan”. Der Krauskopfpelikan ist erst seit 12.4.10 in der Artenliste von ornitho.ch integriert). Der Vogel hielt sich danach in der Fussacher Bucht und gegen Abend ruhend auf der Sandbank beim Rohrspitz auf, wo er von weiteren lokalen Ornithologen beobachtet werden konnte. Diese in Südosteuropa und und Kleinasien beheimatete grösste Pelikanart Europas wurde 2006 in Deutschland nachgewiesen und Ende Februar 2010 zum ersten Mal in Österreich (Quelle: Club 300 Austria). Sollte es sich bei der jüngsten Beobachtung ebenfalls um einen Wildvogel handeln, wäre dies neben dem zweiten Nachweis in Österreich der erste gesicherte im Bodenseegebiet. Am 11.04.2010 wurde der seltene Gast im Rheindelta nicht mehr gesehen. Es ist durchaus möglich, dass er an anderen Orten am Bodensee (z. B. Ermatinger Becken) auftauchen kann. Für die Schweiz liegen noch keine Nachweise des Krauskopfpelikans vor. [Kleine Ergänzungen/Nachträge am 12.4.10 um 15:19h].
[Artikel-Nachtrag vom 13.04.2010, 13:40h] Der Rospelikan hält sich seit 12.04.10 auf dem Klingnauer Stausee AG auf und wurde auch am 13.04.10 gesehen. Gemäss Meldungen in ornitho.ch ist der Vogel nicht beringt, so dass es sich um einen Wildvogel handeln könnte.
























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